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energie pflanzen
DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Samstag, 23.06.2018

biokunststoff_zert_grTÜV für Biokunststoffe

Eine Methode zur Altersermittlung aus der Archäologie wird jetzt auch zur Bestimmung des Anteils von nachwachsenden Rohstoffen in Biowerkstoffen genutzt.

Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen sind aus Materialien gefertigt, deren Entstehungsgeschichte mit der Photosynthesereaktion verknüpft ist: Aus energiearmen, anorganischen Stoffen, vor allem Kohlendioxid und Wasser, werden energiereiche, organische Kohlenhydrate. Diese Reaktion entfernt das Treibhausgas CO2 aus der Atmosphäre, in Biokunststoffen wird es damit auch fixiert. Letzteres macht beispielsweise auch der brasilianische Chemiekonzern Braskem, wenn er aus Zuckerrohr Ethanol gewinnt und in die Massenkunststoffe Polyethylen und Polypropylen umwandelt.

Solche biobasierte Produkte sind vollständig oder zum Teil aus solchem Kohlenstoff gefertigt, der bei der Entsorgung soviel CO2 wieder freisetzt, wie er zuvor aufnahm. Gerade diese Menge CO2 interessiert Produzenten und Konsumenten gleichermaßen, um ökologische Produktvor- und -nachteile im Markt kommunizieren oder abwägen zu können. Infolge der Verknappung fossiler Erdölressourcen und der gesellschaftlichen Diskussionen um den Klimawandel wird Wertstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Biokunststoffen eine stürmische Entwicklung prognostiziert.

Dem Thema Zertifizierung von biobasierten Produkten war eine Tagung der DIN Certco, Gesellschaft für Konformitätsbewertung mbH, einer Tochtergesellschaft des TÜV Rheinland, am 30. November des vergangenen Jahres in Köln gewidmet. DIN Certco wurde im Jahr 1972 vom DIN Deutsches Institut für Normung e. V. für die Vergabe der DIN-Zeichen gegründet und bietet die Zertifizierung von Produkten, Personen, Dienstleistungen sowie Unternehmen auf der Basis von DIN-Normen und ähnlicher Spezifikationen an. 30 Teilnehmer aus der ganzen Welt informierten sich über den aktuellen Stand der Zertifizierungsmethoden. „Für Hersteller und Konsumenten ist es heutzutage wichtig, auf neuartigen Rohstoffeinsatz hinzuweisen und hervorzuheben, daß der Verbrauch zum Beispiel von konventionellen Mineralölen in der Kunststoffproduktion gesenkt wird“, meint DIN-Certco-Produktmanagerin Merle Dardat.

Radiocarbon-Methode für Analyse

Zur Analyse des Anteils biobasierten Kohlenstoffs schlägt der TÜV die sogenannte 14C-Methode vor. Sie heißt auch Radiokohlenstoffdatierung, im angloamerikanischen Sprachgebrauch Radiocabon dating und ist ein Verfahren zur radiometrischen Datierung von kohlenstoffhaltigen Materialien organischen Ursprungs.
Das Verfahren beruht auf dem radioaktiven Zerfall des Kohlenstoff-Isotopes 14C und wird in der archäologischen Altersbestimmung, aber auch der Qualitätsforschung angewandt. Entwickelt wurde die Radiokohlenstoffdatierung von Willard Frank Libby, der für diese Leistung 1960 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde. Der Grundgedanke ist, daß das Mengen-Verhältnis zwischen stabilem 12C und zerfallendem 14C in der Atmosphäre und im lebenden Organismus gleich ist. Lebewesen nehmen durch Nahrung oder durch Photosynthese 12C- und 14C-Isotope gleichermaßen auf. Kommt der Stoffwechsel eines Organismus zum Stillstand, wird kein weiteres 14C aufgenommen, während das vorhandene mit einer Halbwertszeit von 5.730 Jahren zerfällt. Das Isotopen-Verhältnis verändert sich daher mit der Zeit. Wegen des Zerfalls ist dieses Verhältnis im fossil basierten Kunststoff deutlich abweichend – das 14C ist bereits zerfallen. Aus dem Isotopen-Verhältnis im fertigen Biokunststoff ist deshalb eine Aussage über den Gehalt an Biomasse möglich. 

Antragssteller für das Zertifizierungsverfahren können Hersteller nach Paragraph 4 des Produkthaftungsgesetzes oder Vertreiber sein. Für eine Zertifizierung benötigt DIN Certco Unterlagen wie die Beschreibung des Produktes und seine Anwendung, eine Konstruktionszeichnung sowie eine Auflistung aller verwendeten Rohstoffe und Zusatzstoffe mit dem jeweiligen Massenanteil in Prozent am Produkt sowie ein Muster des Produktes. Die Prüfung erfolgt durch Probenahme des jeweiligen Produktes aus der Produktion oder dem Vertrieb. Dann erfolgt die Prüfung in einem von DIN Certco anerkannten Prüflabor. Dabei wird das Ergebnis in einem Prüfbericht festgehalten. Überwachungsprüfungen dienen der Feststellung, ob das zertifizierte Produkt in der Produktionsphase dem typgeprüften Produkt entspricht. Das Prüflaboratorium teilt dem Auftraggeber das Ergebnis der Prüfung  mit. Dieses muß DIN Certco im Original vorgelegt werden. DIN Certco vergibt dann eine Zertifizierungsplakette und ein Zertifikat mit der Aussage über den Anteil von biobasiertem Kohlenstoff. Biobasierte Produkte, für die das Nutzungsrecht für das Zertifizierungszeichen „DIN-Geprüft“ erteilt worden ist, werden mit einer Registernummer gekennzeichnet.

In drei Stufen

In den Zertifizierungsunterlagen und auf der Plakette ist der Anteil an biobasiertem Kohlenstoff angegeben. Dabei werden drei Klassen unterschieden: mit einem Anteil an Kohlenstoff aus nachwachsenden Rohstoffen größer 85 Prozent, 50 bis 85 Prozent und 20 bis 50 Prozent. Das Zertifikat hat eine Gültigkeitsdauer von fünf Jahren. Alle Zertifikatinhaber können tagesaktuell über die Homepage von DIN Certco unter „Zertifikatinhaber“ abgerufen werden. Aber auch Hersteller, Anwender und Verbraucher können sich hier informieren.
Für DIN Certco wird es aufgrund des Erfolgs der vergangenen Veranstaltung wohl nicht die letzte Tagung zum Thema Zertifizierung gewesen sein.

www.dincertco.de

Thomas Isenburg

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1 / 2011 energie pflanzen erschienen.




Wer immer gut informiert sein will, muß die Zeitschrift energie aus pflanzen lesen.
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