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DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Montag, 18.06.2018

Christian Grachtrup macht es vor5_11_kup_gr

Im Prinzip ist es sofort umsetzbar, aber auch in die Zukunft gedacht, wenn Heizbrennstoffe teuer oder knapp werden: Ein wenig nur mühsam nutzbare Ackerfläche gibt es wohl in vielen landwirtschaftlichen Betrieben, auf denen kleine Mengen Brennholz erzeugt werden könnten.

Die Zutaten: eine Hofstelle mit 220 Quadratmeter Wohnfläche, eine Holzheizung und mehr oder weniger viel Ackerland. Diese oder ähnliche Kombinationen wird es wohl tausendfach geben. Mal ist die Hofstelle ein moderner Landwirtschaftsbetrieb mit Stall und etlichen Hektar Ackerfläche, mal nur noch ein Resthof mit nicht einmal zwei Hektar Fläche wie bei Christian Grachtrup in Herzebrock-Clarholz am Südfuß des Teutoburger Waldes.

Doch was alle vereint, ist die Notwendigkeit, ihr Haus zu heizen. Und dazu muß nicht immer Erdgas oder Heizöl dienen. Grachtrup hat knapp 0,8 Hektar oder 8.000 Quadratmeter Ackerfläche vor gut zwei Jahren mit Pappeln für den Kurzumtrieb bepflanzt. Dafür sei er damals „stark beäugt“ worden, erinnert sich Grachtrup. Mitte September lud er dann mit der Wald-Agentur zusammen zu den ersten „Münsterländer Energieholztagen“ ein – etwa 400 Landwirte, interessierte Bürger, Familien und Waldbesitzer kamen. Das Grundprinzip des Kurzumtriebs sei zwar mittlerweile oft bekannt, aber bei Details, Variationen, Absatzwegen, Erntetechnik und Trocknungsarten bestünde noch viel Informationsbedarf, so die Veranstalter.
„Das reicht für meine Heizung“, stellt  Grachtrup seine Fläche an Kurzumtriebsplantagen (Kup) mit seinem Heizbedarf in Relation. Man rechne einen Hektar Kup für 6.000 Liter Heizöl, meint er weiter und sagt: „Es ist eine einfache und unkomplizierte Art, Biomasse zur Selbstversorgung zu produzieren.“ Auf der Diele seines Hauses im Ortsteil Pixel steht ein 30-Kilowatt-Kessel, der sowohl mit Scheitholz als auch mit Hackschnitzeln befeuert werden kann. Der Kessel sei für Tischlereien und Schreinereien entwickelt worden, um Holzspäne und Sägereste zu nutzen, erklärt Grachtrup. Er ist inzwischen Vertriebsleiter für Norddeutschland für den Kesselbauer HDG aus dem bayerischen Massing. Der junge Familienvater studierte auf dem zweiten Bildungsweg Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Energietechnik. Die Hofstelle nahe dem elterlichen Hof kaufte er erst vor drei Jahren.

Mit Miscanthus als Brennstoff machte der Landwirtssohn schlechte Erfahrungen: Schon auf dem Acker wuchs nicht die erhoffte Menge, die Halme „lagerten“ oft, das heißt sie knickten und lagen am Boden, und bei der Verbrennung gab es Probleme mit dem niedrigen Ascheerweichungspunkt. Da kam ihm der Hinweis eines Kunden auf die Wald-Agentur recht. Das im Jahr 2007 gegründete Unternehmen aus Münster betreibt ein Mutterquartier für Pappelstecklinge und tritt als Planer und Dienstleister für die Pflanzung von Kurzumtriebsplantagen auf. Die Wald-Agentur zieht ausschließlich Pappeln, da „diese flexibler sind“, erklärt Marcus Wenzelides, einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter. Pappeln wüchsen fast überall, ab 20 Bodenpunkten und ab 600 Millimeter Jahresniederschlag. Zum anderen ermöglichen sie fast jede Umtriebszeit: Kurzumtrieb mit bis zu vier Jahren, mittellangen Umtrieb mit vier bis acht Jahren oder langen mit mehr als acht Jahren. „Weiden haben ab etwa dem vierten Jahr kaum noch Zuwachs, da muß man dann ernten“, meint der promovierte Forstwirt.

05_11_grachtup_grAuch die Pappeln auf dem Hof Grachtrup pflanzte die Wald-Agentur. Allerdings täuscht das Bild ein wenig, denn zum einen stehen hier insgesamt drei Sorten – Max III, Max IV und I 214 – und davon nur jeweils wenige Reihen, zum anderen sind einige Reihen als Doppelreihen angelegt, wie es für die Ernte mit dem Mähhäcksler bei drei- bis vierjährigem Umtrieb gemacht wird. Ein Mähhäcksler wird im kommenden Jahr wahrscheinlich auch kommen, allerdings nur zu Demonstrationszwecken. Für kleine Flächen ist der Aufwand und damit die Kosten für diese Art der Ernte viel zu hoch. Normalerweise werden solche „Grenzertragsflächen“ mit langem Umtrieb betrieben, die Stecklinge einreihig mit zwei Meter breiten Gassen gepflanzt. „Grenzertragsfläche“ steht hier allerdings nicht nur für geringe Bodenfruchtbarkeit, sondern auch für kleine, schlecht geschnittene, abgelegene oder aus anderen Gründen schwierig zu bewirtschaftende Flächen.
Zur Ernte kann für größere Mengen und lange Umtriebszeiten ein kleiner Harvester bestellt werden. Auch wuchs und wächst das Angebot an Energieholzerntetechnik für kleinere Stammdurchmesser. Und für den sozusagen Hausgebrauch tut es dann auch die eigene Motorsäge – vorzugsweise an Wintertagen, an denen sich auf dem Feld ohnehin nichts tut. Hacker im Lohn dürften inzwischen flächendeckend zur Verfügung stehen.
Außerdem rechnet Grachtrup für seinen Zweck nicht Deckungsbeiträge, sondern Erzeugungskosten gegenüber den ersetzten Heizölkosten und kommt auf etwa zehn Cent je Kilowattstunde, entsprechend etwa einem Liter Heizöl. Für einen ausgedehnten Kup-Anbau sehen die Ortsansässigen ohnehin kaum eine Chance, da die Flächen in der viehstarken Region anderweitig gebraucht werden. Kup sollten auf keinen Fall zum Konkurrenzprodukt werden, betont Wenzelides von der Wald-Agentur.

Eigene Pflanzmaschine entwickelt

Hinter dem Haus wird gerade der Motor eines Traktors angelassen, dahinter ein Gefährt, das als Pflanzmaschine vorgestellt wird. Es stamme aus dem Weinbau, erklärt Wenzelides, und wurde für das Setzen der etwa 20 Zentimeter langen Steckhölzer eher mehr als weniger modifiziert. Bis zu vier Mann sitzen hinten auf der Maschine und füttern sie mit Steckhölzern, die unter ihnen in den Boden versenkt und festgedrückt werden. Und dann ist da noch ein Schlauch: dick wie ein ganz normaler Gartenschlauch, aber durchlässig fürWasser und dicht für Pflanzenwurzeln. Es stammt aus israelischer Produktion, dem Marktführer in Sachen Bewässerungstechnik, erklärt Wenzelides. Die Schläuche werden 12 bis 15 Zentimeter tief in den Boden verlegt und bleiben dort auch langfristig. Die an den Reihenenden offen, aus dem Boden ragenden Schlauchenden werden mit einem Querrohr verbunden, an dessen Ende der Wasserschlauch oder der Auslaß eines Wasserwagens angeschlossen werden kann. Die Methode ist eine Reaktion auf die beiden vergangenen trockenen Frühjahre. Sie führten teilweise bei frisch angelegten Kurzumtriebsplantagen zu entsprechenden Zuwachsverlusten.
Die Wald-Agentur kann aber auch noch mit einer zweiten Idee aufwarten: Sie zieht neuerdings ihre Steckhölzer in sogenannten mContainern an, wie man sie zur Anzucht von Gemüsepflanzen und ähnlichem kennt. Die Steckhölzer mit Wurzelballen sind unempfindlicher, können bereits im Herbst gepflanzt werden und sich im Winter an frostfreien Tagen schon einwurzeln. Allerdings kosten die Pflanzen den Kup-Betreiber dann auch bis zu 86 Cent, dafür werden sie nur in geringer Stückzahl und für den langen Umtrieb gepflanzt – im Gegensatz zum einfachen, nur etwa 20 Cent teuren Steckholz mit hoher Pflanzzahl und für den kurzen Umtrieb. Auf den Hektar bezogen entstehen bei beiden Varianten Kosten in Höhe von 2.500 bis 3.500 Euro inklusive Pflanzung.

www.wald-agentur.de
www.hdg-bavaria.com

Dorothee Meier

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 5 / 2011 energie pflanzen erschienen




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