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energie pflanzen
DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Samstag, 23.06.2018

02_11_biomasse_gr
In Deutschland ist es nicht üblich und durch die fehlenden Endnutzungen auch nicht in diesem Umfang möglich: die Stockrodung zur Energieholzgewinnung. In Finnland dagegen zählt dieses Arbeitsverfahren mittlerweile zum forstlichen Standard. Wer mit offenen Augen durch die finnischen Wälder fährt, sieht neben den Wegen oftmals mehr oder weniger große Polter aus zerteilten Stubben und auch aus Reisigmaterial. Die Stubben wurden gerodet, um Brennmaterial für die zahlreich vorhandenen Biomasseheizungen zu gewinnen, denn Biomasse, und hier insbesondere Holz, wird langsam knapp in Finnland. Aber man wandelt auch Wald in Ackerflächen um.

Es ist eine Binsenweisheit, daß ungefähr 20 Prozent von der Gesamtmasse eines Waldbestandes im Boden sitzen, also in den Stubben und Wurzeln. Die kann man nach der Einschlagsmaßnahme entweder verrotten lassen, oder aber nutzen, gerade wenn man großen Bedarf an Biomasse hat. Und Finnland hat einen sehr großen Bedarf an Biomasse. Dort zählt übrigens auch Torf zur Biomasse. Man hat davon ja genug, zur Zeit jedenfalls noch. Das weltgrößte Biomasse-Kraftwerk in Pietarsaari setzt übrigens auch Torf zur Verbrennung mit ein (einen Bericht über das Biomasse-Kraftwerk brachten wir in der Ausgabe energie pflanzen 1/2011).

02_11_rodung_grMit steigender Tendenz

Die finnischen Grünen sind übrigens für die Energieerzeugung aus Biomasse, also auch aus Holz. Die dortigen Grünen propagieren den Holzverbrauch, sprechen sich aber gegen Kahlschläge und auch gegen die Stockrodung aus. Wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht naß ... Da unterscheiden sich die finnischen Grünen nicht von den deutschen. Brüder im Geiste, wobei der Geist scheinbar nur noch in Fragmenten vorhanden ist. Aber dieses Phänomen ist ja bei fast allen Grünen zu beobachten. Nicht umsonst kennen wir diesen herrlichen Witz: Wo finden wir in hoher Konzentration Akademiker auf Hilfsschulniveau? Richtig, auf den Parteitagen der Grünen ..!
Aber Spaß beiseite. Die Stockrodung ist in der Tat nicht ganz unumstritten. Im Jahr 2008 wurden in Finnland 573.000 Kubikmeter Stubben für die Energiegewinnung geerntet. Im Jahr 2009 erfolgte eine Steigerung auf 830.000 Kubikmeter, für dieses Jahr liegen die Schätzungen bei über einer Million Kubikmeter Stubben. Von einem Hektar Kahlfläche können 50 bis 100 Kubikmeter Stubben geerntet werden. Wir berichteten in der letzten Ausgabe, daß möglichst nur Fichtenstubben genommen werden sollen. Aber jetzt versuchen sich einige Aufkäuferfirmen auch an Kiefernstubben. Aus einem Kubikmeter Stubben gewinnt man ungefähr 2,5 Kubikmeter Hackschnitzel. Der Heizwert dieses Materials ist in der Praxis wie der aus Stammstücken, also gleichwertig, Die Qualität des Brennstoffs aus Stubben wird aber höher eingeschätzt, weil der Feuchtegehalt geringer ist und auch weniger schwankt. Ein Problem bei der Hackschnitzelgewinnung aus Stubben sind allerdings die Sand- und Steinanhaftungen. Mittlerweile gibt es für die Stubbenernte Arbeitsanweisungen und diverse Merkblätter zur Durchführung des Arbeitsverfahrens. In der letzten Ausgabe berichteten wir auch darüber. UPM hat als größter Nutznießer der Stubbenernte in Finnland eindeutige Regeln aufgestellt – ob sich alle Außendienstler daran halten, sei einmal dahingestellt.

Ist das unästethisch oder gar Landschaftskunst?

Zur Problematik der Stockrodung noch etwas zum Schmunzeln: Im Zusammenhang mit der Stockrodung und der anschließenden Lagerung der Stubben auf Polter am Abfuhrweg gibt es zwei Meinungen, die wohl nicht unterschiedlicher sein könnten. Sehr viele Experten sind entsetzt über das Aussehen dieser Stubbenstapel, die manchmal doch sehr hoch sind. Diese Stapel werden als unästethisch empfunden. Die andere Fraktion ist  hingegen von den überall anzutreffenden Poltern begeistert und bezeichnet diese allen Ernstes als begrüßenswerte Umwelt-/Landschaftskunst. Nun ja, die Geschmäcker sind verschieden ... Die bei der Stubbenernte entfernte Menge Nährstoffe ist übrigens kleiner als bei der Ernte von Restholz/Schlagabraum.
Ein aktuelles Ergebnis einer Untersuchung der Universität Jyväskylä und des Finnish Forest Research Institute zeigte, daß durch die Stubbenernte Bodenlebewesen schwer geschädigt werden. Es handelt sich hierbei um sehr wichtige Mikroorganismen für die Zersetzung. Diese Untersuchung wurde in den Wäldern von UPM gemacht; dieses Unternehmen hat in Finnland mit der Stubbenernte begonnen und ist der größte Nutzer von Stubben-Energie. Die Wälder, die man in der Untersuchung berücksichtigte, wurden 2002 und 2005 beerntet. Stubben sind auch eine wichtige Nährstoffquelle für die Boden-Mikroben, deren Abbauzeit Jahrzehnte beträgt. Das Finnish Forest Research Institute betreibt intensive Forschung zum Einfluß der Stubbenernte auf das Ökosystem Wald, das Baumwachstum, die Bodenflora und -fauna und auch auf die Wasserqualität. Vor ungefähr vier Jahren wurden Langzeit-Feldexperimente in Finnland begonnen und ältere Untersuchungen werden auch in diesen Studien berücksichtigt. Wir werden zu gegebener Zeit über die Ergebnisse berichten.

02_11_tammiruusu_grNicht immer wird wieder aufgeforstet

In der Regel wird nach einem Kahlschlag und der darauffolgenden Stockrodung gepflanzt. Die Stockrodung hat übrigens zu einem Anstieg der mechanisierten Pflanzverfahren geführt, aber auch die manuelle Pflanzung mit Spaten oder Paperpot-Pflanzrohr wird durch die gleichzeitige Pflanzplatzvorbereitung im Zuge der Stockrodung erleichtert. Allerdings wird nicht jeder Kahlschlag auch wieder aufgeforstet. Zur Zeit wandelt man in Finnland sehr viel Wald in Ackerflächen um, jedenfalls dort, wo der Wald in den Acker hineinragt oder wo Waldflächen Ackerflächen unterteilen und die Bewirtschaftung erschweren. Wer das Land kennt, weiß, daß die Ackerflächen in Finnland in der Tat sehr klein und darum schwer zu bearbeiten sind. Daher gibt es vom Gesetzgeber auch kaum Einspruch bei der Umwandlung. Der Erlös für Schlagabraum oder Stubben ist übrigens sehr gering; für den Waldbesitzer lohnt es sich eigentlich gar nicht, diese Produkte selbst zu ernten und zu verkaufen. Mittlerweile sind viele Waldbesitzer auch sehr skeptisch gegenüber der Stockrodung und dem Nährstoff-entzug durch die Kompletträumung der Kahlschlagfläche. Bei unseren Gesprächen mit Waldbesitzern und Forstexperten war eine große Skepsis gegenüber der Stockrodung zu bemerken, so daß vermutlich der Trend nicht weiter nach oben gehen wird. Die Millionen Kubikmeter im letzten Jahr werden wohl erst einmal ein Rekord bleiben.
Ein weiteres Problem bei der Energieholzgewinnung soll hier nicht verschwiegen werden. In der Regel werden die Stöcke in Fichtenbeständen bei der Holzernte in Finnland mit Urea/Harnstoff oder Rotstop besprüht, um schädliche Pilze (zum Beispiel den Wurzelschwamm „Fomes annosus“) am Eindringen zu hindern. Diese Pilze gelangen über das Wurzelgeflecht in den verbliebenen Bestand. Mit dem Harvester gibt man das Mittel über die Sägeschiene auf den verbleibenden Stock. Das ist seit Jahrzehnten Standard. Bei der Energieholzernte in schwachen Beständen werden aber jedes Jahr in Finnland hunderte von Kleinharvestern eingesetzt, die das zu entnehmende Schwachholz mit einem Energieholzaggregat abkneifen. Diese Aggregate sind nicht mit einer Sprühvorrichtung für Urea oder Rotstop versehen. Fachleute befürchten darum einen Massenbefall mit Fomes annosus, dem schon seit einigen Jahren so Tür und Tor geöffnet werden. Das wird in Finnland zur Zeit heiß diskutiert und man erwartet eine Regelung, die sich dieses Problems annimmt. Wir sahen uns im Rahmen einer Finnland-Tour in den Wäldern Nordkareliens um. Hier führte uns der Weg zum Unternehmer Jouni Nenonen, der ungefähr 20 Kilometer von der russischen Grenze entfernt auf einer Kahlfläche die Stockrodung betreibt. Eingesetzt ist ein Kobelco-Raupenbagger mit einem Väkevä-Aggregat, ein sogenannter Stubbenprozessor. Dieses Aggregat wird von der Firma A. Hirvonen Oy im ostfinnischen Kitee hergestellt. Mittlerweile sollen schon über 100 Aggregate gebaut worden sein. Es handelt sich hierbei um ein Kombiaggregat; man kann damit Stubben roden, also ziehen/ausgraben und zerschneiden, aber auch Pflanzplätze erstellen.

Stubbenrodung mit anschließender Pflanzung

Diese kombinierte Arbeit, also Stubbenroden mit gleichzeitiger Pflanzplatzerstellung, wird uns hier sehr gut und ausführlich vorgestellt.  Das ist schon ein sehr professionell wirkendes Arbeitsbild, das wir hier zu sehen bekommen. Der Fahrer beherrscht seinen Job augenscheinlich sehr gut. In der Vorwärtsbewegung des Baggers werden in einem Radius von nicht ganz 180 Grad die Stubben gerodet. Wobei fast nur die Fichtenstubben genommen werden. Große Kiefernstubben sollen nicht bearbeitet werden. Möglichst keine gravierenden Bodenzerstörungen anrichten, lautet eine der Anweisungen im Arbeitsauftrag. Denn die Pfahlwurzel einer Kiefer kann schon mal ordentlich Erdreich mit herausbringen und einen tiefen Krater hinterlassen. Der Fahrer nimmt also fast nur die Fichtenstümpfe. Auch die lassen sich nicht einfach so herausziehen. Bei sehr großen Exemplaren muß der Fahrer den Stubben schon im Erdreich zerteilen, um ihn dann Stück für Stück zu ziehen. Beim Herausziehen der Stubben sollte der Boden so wenig wie möglich beschädigt werden. In den Boden sollte nur an der Oberflächenschicht (Tiefe maximal 25 cm) eingedrungen werden. Nach dem Ziehen wird der Stubben, beziehungsweise das Teilstück des Stubbens, durch Schütteln des Aggregates vom anhaftenden Erdreich befreit. Dieses Erdmaterial sollte zurück in das Stubbenloch fallen, heißt es in einer Arbeitsanweisung von UPM. Bei dem Aggregat in diesem Arbeitsbild wird das Schütteln noch durch schnelle geschickte Bewegungen des Baggerfahrers am Joystick ausgelöst; es gibt mittlerweile aber schon Aggregate mit einer Schüttelautomatik. Das ist bequemer, schneller und vermutlich auch gründlicher. Nach dem Schütteln packt der Fahrer die Stubben rechts und links neben der Fahrgasse auf 1,5 bis 2,5 Meter hohe Polter, wobei darauf geachtet werden muß, daß die unterste Lage im Polter auf den Schnittflächen der Stubben zu liegen kommt, damit die Luft im Polter von unten her zirkulieren kann. Tiefe Löcher sollten sofort eingeebnet werden. Stubben mit einem Durchmesser kleiner als 20 Zentimeter werden in zwei Stücke gespalten, größere in mindestens vier Stücke, ohne daß halbe Stubben zurückbleiben. Unbeerntet bleiben mindestens 25 Stubben pro Hektar (auf Tonboden 50 Stubben), bevorzugt dabei werden Stubben aller Baumarten und alle Stubben unter 15 Zentimeter Durchmesser. Zusätzlich werden alle Stubben in einer sogenannten „Pufferzone“ von der Ernte verschont. „Life pockets“, die in diesen Pufferzonen angelegt werden, enthalten ungeerntete Stubben und unbeschädigten Boden. Sie bilden eine Basis, von der aus die Vegetation, Mikroorganismen und Bodenmikroben sich wieder auf dem bearbeiteten Boden ausbreiten sollen und auch eine neue Humusschicht bilden. Unbeschädigter Boden sollte nach der Ernte noch 35 bis 50 Prozent der Oberfläche des Arbeitsgebietes bedecken. Die Mehrheit der Stubben mit einem Durchmesser unter fünf Zentimetern wird in der Regel im Boden gelassen. Die gestapelten Stubben sollten auf der bearbeiteten Fläche zwei bis vier Wochen trocknen, so daß der Mineralboden von den Stubben abfällt, wenn sie zum Wegrand transportiert werden. Zum Stubbentransport gibt es mittlerweile schon spezielle Aufsätze für Rückezüge, wie sie auf der letzten Elmia zum Beispiel von Abab gezeigt wurden. Boden- und Wasserrichtlinien sollten beachtet werden. Der Polterplatz muß von Unterwuchs befreit werden, aber kein Mineralboden freigelegt werden, um die Stubben sauberzuhalten. Die Polter sollten stabil und zirka fünf Meter hoch geschichtet werden und an einem trockenen Platz maximal sechs Meter vom Wegrand entfernt liegen. Die Stubben sollten schon den Sommer über getrocknet sein, wenn sie aus der Erde geholt werden und sind dann im darauffolgenden Sommer fertig für die Auslieferung im Werk. Die Stubben müssen gespalten und trocken sein, ohne Steine, Erdanhang oder andere Störstoffe. Gehackt werden die Stubben in der Regel im Biomasse-Kraftwerk, aber auch auf zentralen Lagerplätzen oder im Binnenhafen.

Die Herstellung von Pflanzplätzen

Ist die Fläche im Kranbereich bearbeitet, rückt der Bagger vor, der Fahrer dreht den Oberwagen und beginnt im rückwärtigen Bereich mit der Anlage von Pflanzplätzen. Dabei handelt es sich um das plätzeweise Aufschütten/Aufschieben von Erdhügeln. Gerade sehr steiniges Gelände sollte für die folgende händische Pflanzung plätzeweise aufgeschüttet werden, nasse Böden (mit Gräben) sind zu drainieren. Für die Fichten-Pflanzung sind 1.800 Anhäufungen/Pflanzplätze pro Hektar nötig. Die Oberfläche des Pflanzplatzes sollte jeweils 50 mal 50 Zentimter messen und die Höhe nach der Kompression mindestens 15 Zentimeter. Die obere Schicht des Pflanzplatzes besteht dabei aus Mineralboden; Pflanzplätze müssen auch dort angelegt werden, wo die Stubben im Bestand gepoltert werden, also auch in den Pufferzonen. Für eine mechanische Pflanzung ist die Herstellung von Pflanzplätzen natürlich nicht erforderlich. Das Väkevä-Aggregat eignet sich augenscheinlich sehr gut zur Pflanzplatzbereitung. Die Stubbenschere wird Richtung Baggerarm geklappt, dann mit dem kombinierten Erdlöffel den Boden beziehungsweise den Mineralboden zu einem kleinen Haufen schieben, mit dem Formteil andrücken, fertig. Das geht doch ziemlich flott vonstatten. In Verbindung mit der Stubbenrodung rechnet sich das sogar. Nach Fertigstellung dieser Fläche möchte man gleich zum Pflanzrohr oder zum Spaten greifen, so sauber und einladend sieht die bearbeitete Fläche aus. Ist diese Art der Waldbewirtschaftung die Zukunft, und das vielleicht nicht nur in Finnland?
„Wenn die Biomasse-Ernte sorgfältig erfolgt, ist die Wald-Regeneration leichter, das Vorkommen von Stockfäule (Fomus annosus) wird reduziert, die Nachhaltigkeit der Holzproduktion gewährleistet, Artenvielfalt wird erhalten und die Umwelt geschützt.“ Das sagt jedenfalls das Unternehmen UPM, das finnlandweit größter Käufer der forstlichen Biomasse ist.

Dieter Biernath

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2 / 2011 energie pflanzen erschienen.




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