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DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Donnerstag, 21.06.2018

bioflamm_kessel_grRegionaler Brennstoff, selbst beschafft

Für Hackschnitzel-Heizungen gibt es Standorte, die mehr oder weniger sinnvoll sind. In die Kategorie „mehr“ fällt ganz sicher das Forstliche Bildungszentrum des Landes Sachsen-Anhalt. Nahegelegener Wald als regionale Brennstoffquelle ist dort nur logisch und das Wissen zur Beschaffung der Hackschnitzel wird täglich vermittelt. Seit Ende Januar heizt dort ein 450-Kilowatt-Hackschnitzelkessel die Schulgebäude und das Wohnheim für die angehenden Forstwirte.

Über kleine Kuppen wellt sich die kurvige Landstraße durch kleine Ortschaften im Kreis Jerichower Land östlich von Magdeburg. Rechts und links säumt Wald die Straße – da ist es wahrscheinlich kein Zufall, daß hier in Magdeburgerforth, einem Ortsteil der Stadt Möckern, das Forstliche Bildungszentrum des Landes Sachsen-Anhalt zu finden ist. Und naheliegend ist es auch, daß die Verantwortlichen sich für Holzhackschnitzel als Brennstoff entschieden, als ein neues Gebäude gebaut und die alten Ölkessel ersetzt wurden. Mit insgesamt 250 Meter Nahwärmeleitung wurden die einzelnen Gebäude angeschlossen – alles in allem heizt der Kessel rund 3.900 Quadratmeter Unterrichts- und Verwaltungsräume sowie das Wohnheim.

Idee war schon lange vorhanden

bioflamm_bunker_gr„Die ersten Planungen, das alte Gebäude, in dem praktische Unterrichtseinheiten stattfinden, durch einen Neubau zu ersetzen, gab es schon in den Jahren 2002 und 2003“, erzählt Reinhold Sabsch, Leiter des Forstlichen Bildungszentrums, „damals kam auch schon die Idee auf, unsere Gebäude mit Hackschnitzeln zu beheizen“. Allerdings war damals noch unsicher, ob die Ausbildung am Standort Magdeburgerforth auch fortgesetzt wird, und so verschwanden Pläne und Ideen erstmal in der Schublade. Im Jahr 2008 fiel schließlich die Entscheidung, daß das Land Sachsen-Anhalt das Forstliche Bildungszentrum auch weiterhin betreibt, und es konnte mit der konkreten Planung begonnen werden. Aus Kostengründen war dabei zunächst nicht vorgesehen, eine Hackschnitzel-Heizung zu installieren. Im Jahr 2010 waren dann aber Sondermittel verfügbar, und der zuständige Landesbetrieb Bau initiierte den Ersatz der Ölkessel durch eine Hackschnitzel-Heizung. Die Planung, der Bau des Heizungsgebäudes und die Heizungstechnik selbst kosteten rund 430.000 Euro. Als Lieferant für die Heizungstechnik wurde nach öffentlicher Ausschreibung die Firma Wärmetechnik Quedlinburg beauftragt, die sich für einen Bioflamm-Kessel des deutschen Anbieters Wirtschaftliche Verbrennungs-Technik (WVT) entschied.

Brennstoffbeschaffung steht auf dem Stundenplan

Abgesehen davon, daß die Preise für fossile Brennstoffe mittel- und langfristig steigen, kommt dem Bildungszentrum bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung ein entscheidender Vorteil zugute: Das Holz für die Hackschnitzel ernten die Lehrlinge im Rahmen ihrer Ausbildung selbst. Genutzt wird Holz, das bei der Pflege der Wälder anfällt. Bezahlt werden müssen nur die Lohnunternehmer, die das Holz im Wald hacken und mit Containern zu den Vorratsbunkern auf das Gelände des Bildungszentrums bringen. Geplant ist, daß die zwei Bunker mit einem Volumen von je 100 Schütt-
raummetern vier bis fünf mal pro Jahr befüllt werden. Der Jahresbedarf an Hackschnitzeln wird auf rund 1.100 Schüttraummeter geschätzt, bei einem Feuchtegehalt von 25 bis 30 Prozent. Dieser Wert wird erreicht, wenn das Holz vor dem Hacken rund ein halbes Jahr im Wald trocknet. Auch wenn während der Inbetriebnahmephase feuchterer Brennstoff als geplant verwendet wurde, konnte der Kessel mit Vorschubrostfeuerung stabil gefahren werden.
Wie ein abstruser Wettbewerb „Wer kann Wasser am besten verbrennen“ kommt es Jörg Wendenburg, Verkaufsleiter und Prokurist von WVT, jedoch manchmal vor, wenn Kesselhersteller damit punkten wollen, daß ihre Technik auch mit dem allerfeuchtesten Brennstoff noch super klarkomme. „Das ist aber keine effiziente Verbrennung mehr: Es wird mehr Brennstoff gebraucht und viel Energie für die Verdampfung aufgewendet“, so Wendenburg. So etwas mache nur bei größeren Anlagen, die als Grundlastkessel weitestgehend im Vollast-Betrieb laufen, wirtschaftlich Sinn.
Beim Forstlichen Bildungszentrum wird der Kessel im Sommer nicht abgeschaltet, sondern läuft für die Brauchwasserbereitung über ein sogenanntes Pufferspeicher-Management. Dabei berechnet eine Steuerung in Abhängigkeit des Pufferfüllgrades die erforderliche Leistung des Kessels. Je nach Jahreszeit kann der Bediener einem bestimmten Füllgrad einen Sollwert für die Kesseltemperatur frei zuordnen.

Mit der Fördertechnik auf Nummer Sicher

bioflamm_einweihung_grFür die Zufuhr zum Kessel sind die beiden Vorratsbunker mit je einem Schubbodenaustrag ausgestattet. Diese laufen nicht parallel, sondern werden nacheinander geleert; dafür ist jeder mit einer eigenen Hydraulikeinheit ausgerüstet. „Diese Redundanz gewährleistet auch eine gewisse Betriebssicherheit“, erläutert Jörg Wendenburg. Sollte ein Schubboden einmal defekt sein, könnte der zweite die Brennstoffzufuhr übernehmen. Auf eine robuste und zuverlässige Fördertechnik lege die Firma WVT besonderen Wert, so Wendenburg weiter. Gerade Hackschnitzel seien ein inhomogener Brennstoff, da dürfe die Fördertechnik nicht bei jeder Überlänge blockieren. In der Ausschreibung wurde für dieses Projekt eine Hackschnitzelgröße der Klassen G 30 und G 50 gemäß Ö-Norm vorgegeben.
An die Fördertechnik stellten die räumlichen Gegebenheiten in Magdeburgerforth besondere Ansprüche: Die an die Schubböden anschließende Querförderschnecke ist zehn Meter lang. Da die Förderrichtung bis zum Kessel sowohl im 90-Grad-Winkel – einmal um die Ecke – als auch in einer Steigung verläuft, wurde eine robuste Schnecken-Trogkettenförderer-Kombination eingesetzt. Mit nur einem Antriebsmotor können die Hackschnitzel so energie- und platzsparend gefördert werden.
Wie in allen Bioflamm-Kesseln verlaufen auch bei dem Modell, das das Forstliche Bildungszentrum heizt, die Kesselzüge senkrecht. Das hat den Vorteil, daß sich weniger Asche in den Zügen ablagert und diese seltener gereinigt werden müssen. Der Kessel in Magdeburgerforth ist darüber hinaus mit einer pneumatischen Druckluftabreinigung ausgestattet, die automatisch ausgelöst wird. Wie häufig diese Reinigung nötig ist, hängt von der Brennstoffbeschaffenheit ab. „Hier ist der  manuelle Aufwand für den Bediener auf ein Minimum reduziert“, betont Wendenburg den Vorteil.
Einen schnellen und ebenfalls automatischen Zugriff hat bei Bedarf der Kundendienst von WVT über eine Datenfernübertragung und Visualisierung. Damit können alle Betriebs- und Störmeldungen archiviert und ausgewertet werden. Mit Hilfe der Automatisierungsfunktionen kann auch ohne Besuche vor Ort die Anlage bedient und der Betrieb so optimiert werden. Ebenso können die Parameter für das Pufferspeicher-Management eingestellt werden.

Zukauf soll einmalig bleiben

Da die endgültige Entscheidung für die Hackschnitzel-Heizung im Frühjahr 2010 relativ schnell fiel, fehlte etwas Vorlaufzeit, um genügend eigenen Brennstoffvorrat anzulegen. Deshalb werden in diesem Jahr Hackschnitzel zugekauft, die genaue Menge stand noch nicht fest, aber „so wenig wie möglich“, versichert Reinhold Sabsch. Ab dem kommenden Winter gilt in Magdeburgerforth dann endgültig das Schlagwort von der Eigenversorgung mit regionalem Brennstoff, denn dann stammt alles Holz für die Hackschnitzel aus einem Umkreis von rund 30 Kilometern und wurde von den angehenden Forstwirten selbst beschafft.

www.bioflamm.de


Johanna Waid

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2 / 2011 energie pflanzen erschienen.




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