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05_11_holzfachschule_grDie Holzfachschule Bad Wildungen will Brennholzerzeuger qualifizieren

Noch vor zehn Jahren war man in manchen Teilen dieses Landes froh, wenn der am Boden liegende Holzmarkt von Brennholzproduzenten aus der Gemeinde belebt wurde. Mittlerweile ist aus diesem Nebenerwerbszweig eine professionelle Branche geworden, die zudem wachsenden Anteil am Umsatz der Forstwirtschaft erlangt. Dennoch genießt sie nicht annähernd das Ansehen wie die Schnittholzproduktion. Das liegt vielleicht auch an der schwankenden Qualität der Produkte Holzscheit und Hackschnitzel sowie am fehlenden Verständnis für die Qualitätssicherung bei den Brennholzmachern selbst. Die Holzfachschule Bad Wildungen will das ändern.

Es treibt ihn um, seit Jahren schon. Georg Krämer ist Diplom-Holzwirt und Berater für Innovation und Technologie an der Holzfachschule Bad Wildungen. Für so einen Job ist Umtriebigkeit vermutlich eine Einstellungsvoraussetzung. Seine Spezialdisziplin ist der Brennstoff Holz, und wie man aus ihm einen hocheffektiven Energielieferanten machen kann – dazu zählen Aufbereitung, Trocknung und Qualitätskontrolle. Erfolge konnte er schon einige erzielen: So entwickelte unter seiner Regie die Holzfachschule gemeinsam mit der S&Ü Hydraulik- und Maschinenbau GmbH einen Trommeltrockner für Scheitholz, der zwei Innovationspreise einbrachte. Und die Schule gewann im Jahr 2009 den Professor-Adalbert-Seifriz-Preis für Technologietransfer, eine Auszeichnung für eine gelungene Zusammenarbeit von Handwerk und Wissenschaft. Um dem Energiebündel Holz den Rang zu erkämpfen, den es verdient, will Krämer sein Wissen weitergeben. Außerdem ist Berufsbildung das Kerngeschäft der Holzfachschule.
Deshalb hat Krämer über das hessische Wirtschaftsministerium ein von der EU finanziertes Projekt angestrengt, das die Qualifizierung von Beschäftigten der Brennholzbranche zum Ziel hat. So sollen die Betriebe neueste Forschungsergebnisse vermittelt bekommen und in die Lage versetzt werden, einen hochwertigen Brennstoff zu erzeugen, um damit
wettbewerbsfähig zu werden sowie ein langfristiges und vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Kunden aufzubauen. Denn nur wer ein Produkt erzeugen kann, das bestimmten Kriterien genügt, kann entsprechende Kundenansprüche verläßlich bedienen. Das Know-how dazu soll ein dreimoduliges Seminar vermitteln, das erstmals im Dezember 2010 angeboten wurde. Durchgeführt werden die Seminare von Georg Krämer und seinem langjährigen Forschungspartner, dem Diplom-Ingenieur und Professor Karl Ernst Heise, einem Urgestein der Holzfachschule, der eigentlich schon seit knapp 15 Jahren im Ruhestand ist. Doch sein Forschergeist läßt Heise nicht ruhen, und seine Erfahrung und sein Fachwissen sind von großem Wert. Dritter im Bunde ist der promovierte Diplom-Forstwirt Udo Hennecke, einer von fünf Netzwerkmanagern der Schule.
Im Juni 2011 startete der zweite Kurs, ein dritter wird Ende Februar bis Anfang März 2012 stattfinden. Da es sich bei den drei angebotenen Modulen um ein Projekt handelt, werden die Modulinhalte und die Art der Aufbereitung fortwährend verbessert. Unterstützung dafür bekommt die Schule vom offiziellen Projektpartner, dem Bundesverband Brennholzhandel & Brennholzproduktion. Das Projekt läuft bis Ende März 2012.

Neueste Forschungsergebnisse

05_11_holzfachschule_g_grModul 1 behandelt die Themen „Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz“, Modul 2 „Trocknung und Feuchtemessung“ und Modul 3 „Normung, Meßtechnik und Qualitätssicherung“. Jedes Modul wird in zwei aufeinanderfolgenden Tagen abgehandelt, wobei sich Theorie und Praxis abwechseln. Richtig wissenschaftlich wurde es beispielsweise in Modul 2. Der erste Kurstag war geprägt von Folienvorträgen und Tabellen. Bald schwelten erste Rauchwolken über den Köpfen der Teilnehmer. Doch hier waren die Kursleiter in ihrem Element und teilten mit Begeisterung ihre Forschungsergebnisse mit. So konnten Krämer und Heise in Trocknungsversuchen nachweisen, daß Eichenbrennholz, richtig geschichtet, in weniger als einem Jahr auf etwa 20 Prozent Holzfeuchte herabgetrocknet ist – eine geringere Holzfeuchte ist für eine korrekte Verbrennung nicht erforderlich. Birkenholz trocknete sogar über den Winter in vier Monaten. Dies widerspricht der häufig vertretenen Lehrmeinung, wonach ofenfertiges Holz zwei bis drei Jahre trocknen muß. Wichtig hierbei: die richtige Stapeltechnik zur Lagertrocknung, die den Teilnehmern ebenfalls vermittelt wurde. So benötigt das aufgesetzte Holz zwischen 20 und 40 Zentimeter Bodenabstand. Die Luft kühlt nämlich aufgrund der Verdunstungskälte, die beim Trocknen des Holzes entsteht, ab, wird schwerer und sinkt nach unten. Hat der Stapel zum Boden hin Platz, kann die Luft abfließen und nimmt dabei das Wasser aus dem Holz gleich mit. Natürlich wurde auch auf die künstliche Trocknung eingegangen, die für Brennholzhändler, die über tausend Raummeter Holz im Jahr verkaufen, sinnvoll ist. Denn irgendwann gibt es bei solchen Mengen, will man sie natürlich trocknen, Logistik- und Platzprobleme.

Drei-Punkt-Messung

Im praktischen Teil wurde eine Darrprobe im Trocknungsofen erstellt, um rechnerisch den Wasserverlust zu ermitteln, wobei Heise die mit Krämer entwickelte Drei-Punkt-Meßmethode demonstrierte. Dabei wird der Feuchtegehalt des Holzscheits quer zur Faser, an beiden Enden sowie mittig gemessen. Der daraus erstellte Mittelwert gibt näherungsweise den Feuchtegehalt im Holz wieder, denn in der Scheitmitte ist deutlich mehr Wasser gebunden als an den Enden. Diese im Jahr 2003 entwickelte Meßmethode überzeugte nicht nur die Kursteilnehmer, sondern wurde sogar in die EU-Norm zur Qualitätssicherung fester Biobrennstoffe eingearbeitet. Da der Gesundheitsschutz natürlich immer an erster Stelle steht, wird im ersten Modul auch der Arbeitsschutz im Wesentlichen vermittelt. Die Teilnehmer sollen für die alltäglichen potentiellen Gefahren am Arbeitsplatz sensibilisiert werden, um diese eigenverantwortlich vermeiden zu können. Damit keine Gefahrenquelle übersehen wird, erstellen die Teilnehmer eine Checkliste und lernen, Gefahren zu beurteilen. Ein typisches Gefahren-Beispiel sind gestapelte Meterscheitbündel, die beim Trocknen schwinden und dann wackelig werden. Insbesondere die Ladungssicherheit wird intensiv besprochen.
Was kaum einer der Teilnehmer weiß: Dafür, daß der Kunde sein Brennholz sicher nach Hause transportiert, ist der Verkäufer rechtlich mitverantwortlich und sollte deshalb immer ein Ladungssicherungs-Netz griffbereit haben. Das Modul 3 „Normung und Qualitätssicherung“ soll den Teilnehmern Werkzeuge an die Hand geben, mit denen sie die Qualität ihres Brennholzes verbessern können. So werden Holzscheite gespalten und deren Holzfeuchte ermittelt: Dabei werden unterschiedliche Feuchtemeßgeräte verglichen und deren Qualität für die eigene Anwendung beurteilt. Die Schimmelbildung in Holzstößen, die sich nicht immer verhindern läßt, ist ebenso Thema wie Lösungsansätze dazu. So kann mit dem Kunden die Vereinbarung getroffen werden, daß zehn Prozent der Charge Schimmel, eine andere Holzart, Dreck oder zu hohe Feuchte aufweisen dürfen. Diese Absprache bedeutet dann aber auch, daß der Kunde reklamieren kann. Vorteil ist: So werden dem Kunden auch Qualitätsunterschiede nähergebracht, ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, und der Brennholzhändler empfiehlt sich als Fachmann.

„Die Leute glauben, daß so ein bißchen doofes Holz nicht dieses Augenmerk verdient, aber Holz ist kompliziert“, sagt Georg Krämer und will seinen Blick auf den Brennstoff noch weiter schärfen. So verstärkt er in seinem vor vier Jahren gegründeten Institut für Brennholztechnik IBT-Krämer die Forschung daran, wie Hackschnitzel optimal hergestellt, gesiebt und getrocknet werden müssen, um effektiv nutzbar zu sein. Denn die können mehr als nur brennen: So gibt es einen Markt für Dekoschnitzel und Hackschnitzel als Bodenbelag für Spielplätze. Am Ende der Bemühungen von Krämer und seinen Kollegen um die Berufsbildung könnte irgendwann ein neuer Beruf stehen, zumindest aber ein zusätzliches Ausbildungskapitel für Schornsteinfeger und Forstwirte – schöne Aussichten.

www.ibt-kraemer.de
www.holzfachschule.de

Julian Delbrügge

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 5 / 2011 energie pflanzen erschienen





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