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energie pflanzen
DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Mittwoch, 20.06.2018


Da geht was weg: Haushoch türmt sich das Ausgangsmaterial für die Pelletsproduktion am Standort Hardegsen.Mit dem Motto „Aus der Region, für die Region“ wird ja mittlerweile so Manches betitelt. In der Region, für die Region entstand in den vergangenen Monaten im südlichen Niedersachsen das Bioenergiezentrum Leinetal. Dort stehen sowohl ein Holz-Heizkraftwerk, das Biomasse direkt energetisch nutzt, als auch eine Fabrik, die unterschiedliche Holzbrennstoffe herstellt.








Wo früher Zement hergestellt wurde, wird seit fast einem Jahr Holz-Biomasse teils in einem Heizkraftwerk genutzt und teils zu Brennstoffen verarbeitet.Die feucht-kühle Herbstluft über dem Gelände der alten Zementfabrik in Hardegsen erfüllt der unverwechselbare süß-säuerliche Geruch von nassem Grünschnitt. Mit einem Schnuppern läßt sich also schon erahnen, daß hier kein Zement mehr hergestellt wird. An dem Standort rund 20 Kilometer nördlich von Göttingen speist schon seit Dezember 2009 ein Biomasse-Heizkraftwerk Strom ins Netz ein, und im März dieses Jahres purzelten bereits die ersten Holzpellets aus den Pressen. Anfang Oktober wurde das Bioenergiezentrum Leinetal dann offiziell eingeweiht und bei diesem Anlaß war die Stimmung nicht so trüb, wie der regenschwere Himmel es vorgeben wollte. Ulrich Kaier, Geschäftsführer der EC Bioenergie GmbH (ECB), sorgte mit seiner engagierten Rede für manches Schmunzeln bei den Gästen im Festzelt.

Martin Bentele (rechts) vom Deutschen Energieholz- und Pelletverband überreichte bei der offiziellen Eröffnung der Produktion eine Urkunde für den Erhalt des EN-plus-Zertifikats. Es freuen sich (von links): Standortleiter Volker Fröchtenicht, die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen und ECB-Geschäftsführer Ulrich Kaier.Die ECB aus Heidelberg verwirklichte das Projekt gemeinsam mit der Biomasse-Verwertung-Leinetal GmbH als regionalem Partner; dazu wurde die Bioenergie Leinetal GmbH gegründet.

So überzeugt und begeistert zeigte Kaier sich vom Nutzen der Bioenergie, daß er – in durchaus charmanter Art – allen, die das noch nicht begriffen hätten, unterstellte, „betriebswirtschaftlich blöd“ zu sein. „Das ist doch der Hammer: Wir produzieren hier Brennstoffe für Privathaushalte und Industrie und jeder spart dabei Geld und Kohlendioxid“, so Kaier.
Standortleiter Volker Fröchtenicht zeigte sich im Rückblick auf das Bauvorhaben von der „tollen Geschwindigkeit“ beeindruckt, mit der trotz des harten Winters 2009/2010 gearbeitet worden sei. Insgesamt ist das Gelände der ehemaligen Zementfabrik sechs Hektar groß, zwei Hektar nimmt jetzt das neue Werk ein. Es bleibe auf jeden Fall genügend Platz, um die verschiedenen Biomasse-Sortimente zu lagern, so Fröchtenicht.

Chance für Land- und Forstwirte

Die niedersächsische Ministerin für ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Astrid Grotelüschen nannte in ihrer Rede steigende Preise für fossile Energieträger und den Willen, die Importabhängigkeit zu verringern, als Anreize, erneuerbare Energien zu nutzen. Dabei könnten Land- und Forstwirte sich neue Geschäftsfelder erschließen und Reststoffe sinnvoll energetisch verwertet werden. „In Hardegsen konnte mit dem Bioenergiezentrum Wertschöpfung im ländlichen Raum geschaffen werden, dazu ermöglicht der Standort kurze Transportwege“, so die Ministerin. Den Übermut von Ulrich Kaier wollte sie dann aber doch etwas bremsen, der zuvor noch davon gesprochen hatte, daß Niedersachsen umgepflügt werde, um Bioenergie zu nutzen. „Die Wälder des Landes nutzen wir nachhaltig“, betonte Grotelüschen. Dem Landrat des Kreises Northeim, Michael Wickmann, blieb dann noch, sich über die Investition von 22 Millionen Euro und mehr als 30 neue Arbeitsplätze zu freuen. Er wies aber auch auf die Aufgabe hin, Bürgern und Handwerkern die Vorteile von Pellets aus der Region näherzubringen, um die großen Chancen dieses Brennstoffs auch möglichst vollständig zu nutzen.

Unabhängig voneinander werden am Standort Hardegsen ein Holz-Heizkraftwerk und ein Werk für Biobrennstoffe betrieben – das heißt fast unabhängig, denn das Heizkraftwerk liefert mit rund zehn Megawatt thermischer Leistung die Wärme für den Bandtrockner des Brennstoffwerks. Pro Jahr werden 32.000 Tonnen naturbelassene Biomasse in einem Dampfkessel verheizt, der Dampf wird dann zum Antrieb einer ORC-Turbine genutzt, die 1,8 Megawatt elektrische Leistung bringt. So speist das Heizkraftwerk jedes Jahr 14.000 Megawattstunden Strom ins Netz ein, der nach dem EEG vergütet wird. Schon allein, um „Rohstoff-Konkurrenz“ am Standort des Bioenergiezentrums zu vermeiden, verbrennt das Heizkraftwerk überwiegend Biomasse, die nicht anderweitig genutzt werden kann: unter anderem Holz aus der Landschaftspflege und Grünschnitt.

Das Biobrennstoffwerk produziert nach dem Prinzip mit dem neudeutschen Titel „multi-fuel/multi-product“, mit dem die Betreiber flexibel auf die jeweilige Nachfrage reagieren wollen. Es können verschiedene Sorten und Qualitäten von Biomasse als Rohstoff genutzt werden und daraus Biobrennstoffe für unterschiedliche Anwendungen hergestellt werden: Von den Pellets für den Hausgebrauch bis hin zu Industrie-Briketts. Für eine jährliche Produktion von rund 60.000 Tonnen Brennstoff benötigt das Werk 114.000 Tonnen Holz-Frischmasse, das entspricht 57.000 Tonnen atro, absolut trocken. Für die Rohstoff-Versorgung hat das Bioenergiezentrum Leinetal unter anderem Verträge mit zwei Großlieferanten geschlossen, die wiederum aus einem Umkreis von rund hundert Kilometern Reststoffe von Sägewerken beziehen.

Neben wahrlich schmutzigem Grünschnitt, der aber noch für die Verbrennung taugt, ist auf dem Gelände des Bioenergiezentrums die ganze Vielfalt der Ausgangs-Biomasse für Pellets und Briketts zu sehen: Teils unter freiem Himmel, teils auf überdachten Lagerplätzen häufen sich Sägemehl, Hackschnitzel, Rinde und andere Reste aus der holzverarbeitenden Industrie. Auch einige Stapel Rundholz sind dabei, das nicht für die stoffliche Verwertung geeignet ist. Abnehmer für die verschiedenen Brennstoffe aus Hardegsen sind der regionale und überregionale Pellethandel, örtliche, größere Contracting-Partner sowie Exportkunden. Die Vermarktung übernimmt die Bioenergie Handel GmbH, eine hundertprozentige Tochter der ECB.

Erneuerbare Energieträger im Wärmemarkt noch unterschätzt

Zur offiziellen Einweihung in Hardegsen war auch Martin Bentele, Geschäftsführer des Deutschen Energieholz- und Pelletverbandes (DEPV), geladen. Er nutzte die Gelegenheit und überreichte der ECB eine Urkunde, die bestätigt, daß die produzierten Pellets die Kriterien des EN-plus-Zertifikats erfüllen. In seinem Grußwort wies er darauf hin, daß die Bedeutung der erneuerbaren Energien für den Wärmemarkt von vielen Seiten – darunter auch die Politik – noch unterschätzt würde. Bentele betonte außerdem, daß der Holzmarkt ein funktionierendes Preisgefüge habe und die energetische Holznutzung auch zu vernünftigen Preisen anderer Sortimente beitrage.

www.bioenergie-heidelberg.de

Johanna Waid

Dieser Artikel ist im Heft energie pflanzen 06-2010 erschienen.





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