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energie pflanzen
DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Samstag, 23.06.2018

4_2011_ligna_tagung_grPflanzung, Ernte und Weiterverarbeitung ist Standard der Land- und Forstwirtschaft

„Auf dem Weg in die Praxis“ sieht das 3N-Kompetenzzentrum Kurzumtriebsplantagen und betitelte so auch eine Infoveranstaltung im Rahmen der Ligna.
Martin Hofmann vom Kompetenzzentrum Hessen-Rohstoffe stellte in seinem Vortrag den Hintergrund und aktuellen Stand von Kup vor. Grund dafür, daß der Anbau von schnellwachsenden Baumarten zunehmend auch wirtschaftlich interessant wird, sind die steigenden Preise für (Energie-)Holz. Zwar gebe es in Deutschland noch ungenutzte Potentiale beim Waldholz, diese seien aber begrenzt, so Hofmann, und in einzelnen Regionen gebe es bei besonders stark nachgefragten Sortimenten jetzt schon Engpässe.


Der Status von Kup ist im Bundeswaldgesetz geregelt: Im Sinne dieses Gesetzes sind Kurzumtriebsplantagen kein Wald, wenn die Umtriebszeit maximal 20 Jahre beträgt oder die Flächen als sogenanntes Agroforstsystem bewirtschaftet werden, also gleichzeitig auch landwirtschaftliche Kulturen angebaut werden.

Grundsätzlich eignen sich mehrere Baumarten für den Anbau in Kup, häufig fällt die Wahl auf Pappel oder Weide. Vorteile dieser beiden Arten sind unter anderem, daß sie schon ein großes natürliches Verbreitungsgebiet haben und züchterisch bearbeitet sind. Eine weitere für Kup geeignete Baumart ist zum Beispiel die Robinie.

Rationale Gründe können Skeptiker gegenüber Kurzumtriebsplantagen fast nicht mehr ins Feld führen, denn die nötige Technik ist längst etabliert. Für Bodenvorbereitung, Pflanzung und Kulturpflege wird landwirtschaftliche Technik genutzt. Gepflanzt werden können kurze Stecklinge oder längere Steckruten. Bei den Stecklingen ist im ersten Jahr ein größerer Aufwand für die Unkrautbekämpfung erforderlich. Für die Ernte stehen verschiedene Maschinen zur Auswahl, die sich bereits in der Praxis bewährt haben. Wie von Maishäckslern bekannt, wird meist in einem Arbeitsschritt geerntet und gehackt; eine ausführliche Marktübersicht erschien in energie pflanzen 1/2011. Möglich ist aber auch, die ganzen Stämme zu ernten und diese erst später weiterzuverarbeiten.

Kreislauf mit Klärschlamm

4_2011_ligna_tgrafik_grDie Nutzung von Klärschlamm als Dünger für Kup war Thema des Vortrags von Mirko Hänel vom Technologie Transfer Zentrum Bremerhaven (TTZ). Als positive Aspekte nannte Hänel den regionalen Nährstoff-Kreislauf, der mit der Klärschlammverwertung geschlossen werden kann und Zusatzeinnahmen, die der Kup-Betreiber durch die Abnahme von Klärschlamm erzielt. Die Menge an Klärschlamm, die maximal ausgebracht werden darf, ist in einer entsprechenden Verordnung festgelegt, die unter anderem Grenzwerte für den Schwermetall-Gehalt vorgibt.

Klärschlamm sollte nicht mit einem schnellwirkenden Pflanzendünger verwechselt werden, sondern gilt eher als langfristiger Bodenverbesserer und Vorratsdünger. Die Preise für die Abnahme von Klärschlamm variieren laut TTZ von 30 bis 80 Euro pro Tonne für entwässerten Schlamm in Norddeutschland und 35 bis 100 Euro in Süddeutschland. Die Ausbringkosten liegen zwischen 100 und 200 Euro pro Hektar, so daß in einer dreijähriger Rotation Zusatzeinnahmen zwischen 800 und 1.200 Euro pro Hektar möglich sind. Der Schlamm wird dabei jeweils nach der Pflanzung ausgebracht. Im Rahmen mehrerer EU-Projekte führte das TTZ in Bremerhaven auch Labor- und Feldtests durch, um besonders geeignete Sorten für die Düngung mit Klärschlamm empfehlen zu können.

Zumeist wird Holz von Kurzumtriebsplantagen durch den Hacker gejagt und verbrannt. Mit der alternativen stofflichen Nutzung von Kup-Holz beschäftigt sich Rupert Wimmer, Professor an der Georg-August-Universität Göttingen. Unter anderem untersuchte er den Einfluß verschiedener Holzarten auf die Eigenschaften von Spanplatten – mit dem Ergebnis, daß die als Kup-Baumart etablierte Pappel sehr gute Werte aufweist. Ebenfalls untersuchte die Göttinger Hochschule die Eignung von Kup-Holzspänen als Einblasdämmstoff. In einer Halb-und-Halb-Mischung mit Altpapier zeigte auch in dieser Anwendung die Pappel günstige Werte unter anderem bei der Wärmeleitfähigkeit. Und so werden gewissermaßen die zwei Nutzungspfade miteinander versöhnt, wenn die stoffliche Nutzung einen positiven Einfluß auf den Energiebedarf eines Gebäudes hat.

Wimmer schloß seinen Vortrag mit dem Fazit, daß bei steigender Holznachfrage auch billiges Holz für die stoffliche Nutzung benötigt werde – und dafür seien Kurzumtriebsplantagen eben die geeignete Produktionsform.

Download der Vorträge:   
www.3-n.info (Veranstaltungen > Veranstaltungsarchiv)

Johanna Waid

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 4 / 2011 energie pflanzen erschienen.





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