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DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Montag, 18.06.2018

Trotzdem Interesse / Tendenz zu längeren Umtriebszeiten

Aussteller und Informationen zum Thema Kurzumtriebsplantagen verteilten sich in und um die Pavillons unter dem Expo-Dach auf der Messe Hannover. Dennoch fand das Thema Interesse. Klar wurde aber auch, daß Agrarholz zwar zunimmt, sich aber auf bestimmte Nischen konzentriert.

So hervorgehoben wie noch bei der vergangenen Ligna vor zwei Jahren war das Thema Kurzumtriebsplantagen (Kup) in diesem Jahr nicht, auch praktische Vorführungen dazu gab es nicht. Dennoch wächst die Anbaufläche mit Kurzumtriebsplantagen. Auf einer Informationsveranstaltung des Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe (3N) wurde deutlich, daß die nötige Technik längst etabliert ist: Für Bodenvorbereitung, Pflanzung und Kulturpflege wird landwirtschaftliche Technik genutzt, für die Ernte vor allem Mähhäcksler und Forsttechnik.


4_2011_ligna_htm_grDie Tendenz geht zu längeren Umtriebszeiten von acht, auch zwölf Jahren, so die durchgängige Erfahrung bei den Kup-Dienstleistern auf der Ligna. Oft werden kleine Flächen bepflanzt, deren ackerbauliche Nutzung nicht rentabel ist. Stattdessen nutzt der jeweilige Landwirt diese Flächen, um langfristig den Brennstoff für die eigene Holzhackschnitzelheizung zu gewinnen. Flächenzuschnitt und -lage scheinen ausschlaggebender als die Ertragsfähigkeit des Bodens, so Hans-Georg von Engelbrechten von der erst im vergangenen Jahr gegründeten Agraligna GmbH aus Stendal. Neben Landwirten lassen aber auch Forstbetriebe ihre landwirtschaftlichen Grundstücke mit Kup bepflanzen, ergänzt Manfred Utrup von der Wald-Agentur Münster GmbH, die sich im Pavillon des Landes Nordrhein-Westfalen präsentierte. Die in Forstbetrieben bereits vorhandene Erntetechnik ist jedoch nur bei größerem Stammdurchmesser, also längerem Umtrieb, einsetzbar. Auch die Selbstversorger nutzen Forsttechnik zur Ernte, da die Erntemengen für den alternativen Mähhäcksler zu gering sind. Diese würden sich eher auf größeren Flächen lohnen, so Utrup.

Zu sehen war ein solcher Mähhäcksler nur auf dem Stand der Hüttmann GmbH aus Soltau. Neue Modifikationen gab es nicht. Zwei Maschinen baute der Lohnunternehmer und Entwickler bis jetzt, beide laufen im eigenen Betrieb. Hüttmann betreibt eigene Kup, arbeitet aber auch im Lohn. Der Hüttmann-Mähhäcksler, der ein mit einem Mähvorsatz ergänzter Maishäcksler Big X der Marke Krone ist, schafft Stämme bis zu 20 Zentimeter Durchmesser, für mehr reicht vor allem die Hackmaschine nicht.

4_2011_ligna_jenz_grEine weitere Erntemethode ist der Bio-Baler, den die kanadische Firma Anderson Group herstellt, der aber hierzulande durch Jenz vertrieben wird (energie pflanzen 1/2011, Seite 41). Interesse fand die Methode durchaus, auch bei Besuchern aus dem Ausland, erklärt eine Mitarbeiterin von Jenz, doch bis zum Kaufentschluß ist es wohl noch ein weiterer Weg. Der Bio-Baler besteht aus einem Schneidvorsatz und einer Art Rundballenpresse, die Weiden- oder Pappeltriebe mit bis zu zehn Zentimeter Durchmesser zu Rundballen quasi aufwickelt, so daß sie einfacher zu transportieren sind, aber auch platzsparend trocknen können. Das Gerät wird an einen Schlepper angebaut.

Infolge der Vorgaben durch die Erntetechnik wird für den kurzen Umtrieb von zwei bis fünf Jahren oft zweireihig gepflanzt, für den langen Umtrieb einreihig mit meist zwei Meter Abstand. Bei der Wald-Agentur Münster hielten sich kurzer und langer Umtrieb derzeit etwa die Waage, so deren Mitarbeiter Utrup. Pflanzaufträge kommen nach Angaben der Dienstleister besonders aus dem Osten: Ostdeutschland, Osteuropa. Die Unternehmen betonen aber, daß sie auch deutschland- beziehungsweise europaweit arbeiten würden. Agraligna legte in der vergangenen Saison etwa hundert Hektar neue Kup an, Hüttmann als lokaler Anbieter im Umkreis von 200 Kilometern etwa 50 Hektar. Die Wald-Agentur Münster betreibt zudem ein eigenes, etwa zehn Hektar großes Pappel-Mutterquartier zum Anziehen von Stecklingen und Steckruten. Hinzu kommen bei allen Anbietern weitere Dienstleistungen wie Projektentwicklung, Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz und Pflegearbeiten.

Bewässerungssystem zum Anwuchs kann mitgeliefert werden

Agraligna bietet das Mitverlegen einer Bewässerungsleitung an. Sie wird fünf bis zehn Zentimeter tief im Boden versenkt und hilft vor allem beim Anwuchs, wenn die Gegend an sich oder auch das Frühjahr des ersten Standjahres trocken ist. Bei kleineren Flächen würde ein Wasserwagen ausreichen, um das Bewässerungsnetz zu füllen, so Agraligna-Geschäftsführer von Engelbrechten. „Es geht darum, eine Versicherung zu haben, daß die Pflanze Ertrag bringt“, erklärt er. Das System stamme aus dem Obst- und Gemüsebau.

Mit schnellwachsenden Pappeln als Vorwald auf Windwurfflächen sammelt die Wald-Agentur Münster seit dem Jahr 2007 Erfahrungen. Hier werden Steckruten von 1,60 bis 1,80 Meter Länge gesteckt. Die Triebe aus den Ruten ragen dann von Anfang an über den Krautwuchs hinaus, denn die Bewirtschaftung richtet sich hier nicht nach landwirtschaftlichen, sondern forstwirtschaftlichen Regeln, beispielsweise bezüglich des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln. Die Pflanzengröße gewährleistet zudem einen geringeren Wildverbiß, und die größere Pflanztiefe verhindert ein schnelles Austrocknen. Zwischen die Pappeln als Kurzumtriebsart werden bereits die zukünftigen Waldbäume wie Douglasien, Eichen und Linden „nesterweise“ gepflanzt. Nach etwa acht Jahren kann der erste Nutzen aus dem Pappelbestand gezogen werden, aus dem dann und in den Folgejahren per Durchforstungstechnik selektiv geerntet werden kann. Nach weiterer Nachpflanzung von Waldbäumen beherrscht irgendwann wieder Wald die Fläche. 

www.ligna.de
www.agraligna.com
www.htm-soltau.de
www.wald-agentur.de
www.jenz.de


Dorothee Meier

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 4 / 2011 energie pflanzen erschienen.




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