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DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Mittwoch, 20.06.2018

04_11_rapsoel_landschaft_grFreiberger Verein entwickelte umfassendes Qualitätssicherungssystem für Rapsöl

Mit Qualitätssicherungssystemen lassen sich die positiven Effekte der dezentralen Verarbeitung und Nutzung selbsterzeugter Ölsaaten auf Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Effizienz sicherstellen.
Die verschlechterten Rahmenbedingungen für Rapsölkraftstoff wie die Besteuerung, die teilweise sehr geringe oder fehlende Preisdifferenz zu Dieselkraftstoff und die sogenannte Agrardiesel-Regelung führten dazu, daß in Sachsen etwa die Hälfte der dezentralen Ölsaatenverarbeitungsanlagen stillgelegt wurden.

Die Ölmühlen mit Rapsölkraftstoffabsatz in landwirtschaftliche Unternehmen arbeiten jedoch weiter. Landwirtschaftliche Ölsaatenverarbeitungsanlagen sind sehr gut in den eigenen Betrieb zu integrieren. Sie bringen durch kurze, geschlossene Stoffkreisläufe, bei denen zugleich Eiweißfuttermittel und Kraftstoff produziert werden können, zudem eine größere Unabhängigkeit vom Marktgeschehen. Außerdem sind bei dezentralen Konzepten meist die Transportwege kurz und der verfahrenstechnische Aufwand relativ gering. Die in der Biomasse-Nachhaltigkeitsverordnung für Biokraftstoffe angesetzten Standardwerte für den jeweiligen Aufwand der einzelnen Verfahrensschritte zeigen, daß Rapsölkraftstoff vergleichsweise gute Treibhausgas-Bilanzwerte erzielt.

Allerdings funktioniert das nur, wenn die gesamte Kette, vom Rapsanbau bis zur Motorenwartung, stimmt. Gewährleisten sollen das Qualitätssicherungssysteme. Ein „Qualitätsmanagement bei der Erzeugung von Rapsölkraftstoff in dezentralen Ölmühlen – Anforderungen an Produktion, Transport und Lagerung von Rapssaat, Rapsölkraftstoff und Preßkuchen“ erarbeitete bereits im Jahr 2007 das Technologie- und Förderzentrum (TFZ) in Straubing. Gefördert mit Mitteln des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) entwickelte der Verein zur Förderung von Biomasse und nachwachsenden Rohstoffen Freiberg e.V. daraus im Rahmen eines Projektes einerseits ein erweitertes und universell anwendbares Qualitätssicherungssystem (QS-System), andererseits paßte er es jeweils an die Praxis von zwei Ölmühlen an. Die Freiberger ergänzten das System des TFZ vor allem um die Einbeziehung des Rapsanbaus, die Nutzung als Kraftstoff, die Umrüstung und Wartung der Fahrzeuge, die Wartung eines Blockheizkraftwerkes sowie den Einsatz des Preßkuchens in der Tierfütterung.

Reinigungstechnik bestimmt Qualität

04_11_rapsoel_traktor_grAls Praxisbetriebe wurden zwei landwirtschaftliche Betriebe im Raum Freiberg einbezogen, die beide Mitglieder des Vereins sind. Hier wird regional erzeugte Rapssaat jeweils in einer dezentralen Pflanzenölmühle zu Rapsöl und Rapspreßkuchen verarbeitet. Die Herausforderung einer dezentralen Ölsaatenverarbeitung besteht darin, die hohen Vorgaben an die Qualität des Kraftstoffs mit einem technisch relativ einfachen Produktionsprozeß sicher zu erfüllen. Denn nur wenn diese konsequent eingehalten werden, kann eine dezentrale Ölmühle erfolgreich betrieben werden. Beide im Projekt untersuchten Mühlen arbeiten nach dem Kaltpreßverfahren und besitzen unterschiedliche Anlagen und Kapazitäten: 1.000 beziehungsweise 5.000 Tonnen Saat pro Jahr. In beiden Ölmühlen wird ein neuartiges Reinigungsverfahren nach Waldland VWP angewendet. Damit werden die Gehalte an Kalzium, Magnesium und Phosphor unter die Nachweisgrenze von 0,5 Milligramm je Liter abgesenkt, was deutlich unter den Grenzwerten der DIN 51605 liegt.
Die nach DIN 51605 definierte Qualität des Kraftstoffes ist Voraussetzung für einen störungsfreien Betrieb pflanzenöltauglicher Motoren. Durch den Beginn der serienmäßigen Fertigung von Traktoren für den Betrieb mit Rapsölkraftstoff im Jahr 2008 ist die Bedeutung der Kraftstoffqualität weiter gestiegen.

Praxis gegen schlechtes Image

Doch diese inzwischen erreichte technische Sicherheit muß sich bei Landwirten erst herumsprechen: Nach dem technischen Scheitern einiger Ein-Tank-Umrüstkonzepte für Traktoren in der Region Freiberg verbreitete sich unter den Landwirten die Meinung, daß Ein-Tank-Konzepte generell nicht funktionieren würden. Als Lösung werden und wurden Zwei-Tank-Umrüstungen angesehen.
Erst nach dem erfolgreichen Test über 4.300 Betriebsstunden mit drei neuen Traktoren der Marke John Deere in den vergangenen Jahren, die mit dem Ein-Tank-Umrüstkonzept der Firma VWP ausgestattet sind, konnte dieses Vorurteil aus dem Weg geräumt werden, so daß einzelne Landwirte inzwischen wieder Vertrauen in qualitativ hochwertige Ein-Tank-Umrüstungskonzepte faßten. Darunter auch die Agrargenossenschaft Bergland Clausnitz e. G., die inzwischen drei Traktoren dieser Marke mit dieser Umrüstung betreibt und einer der Praxisbetriebe ist. Umgebaut wurden die Maschinen beim regionalen John-Deere-Händler Nürnberger in Schellenberg. Dieser verfügt über die entsprechende Lizenz und die Qualifikation für die Anpassung der Maschinen an Rapsölkraftstoff. Insgesamt laufen in der Clausnitzer Genossenschaft zehn Maschinen mit selbsterzeugtem Rapsöl.

Ebenfalls betreibt die Agrargenossenschaft eine Biogasanlage, deren Biogas in einem Zündstrahl-Motor der Firma Schnell verstromt wird. Als Stützfeuerung hierfür wird etwa sieben Prozent kaltgepreßtes Rapsöl aus der eigenen Ölmühle eingesetzt. Lediglich durch Neueinstellung der Steuerung ist jedoch eine Umstellung auf vollständigen Rapsölbetrieb möglich. Deshalb wurde das Bhkw ebenfalls im QS-System erfaßt.
Auch an den Rapspreßkuchen werden hohe Qualitätsanforderungen gestellt, denn für eine hohe Milch- und Mastleistung in der Tier- und Milchproduktion ist eine möglichst gleichbleibende Qualität unerläßlich. Viele Landwirtschaftsbetriebe in der Region Freiberg setzen in der Milchviehfütterung bis zu 2,3 Kilogramm Rapspreßkuchen je Tag und Tier ein und haben damit positive Erfahrungen gemacht – zwischen zwei und drei Kilogramm Rapspreßkuchen mit acht bis zwölf Prozent Fettgehalt für erwachsene Rinder werden auch in der Literatur empfohlen. Vor allem in Futtermischungen eignet sich Rapspreßkuchen sehr gut als Eiweiß- und Energieträger. Ein großer Teil des bisher verwendeten Sojaextraktionsschrotes konnte dadurch ersetzt werden. Ein Betrieb in der Region Freiberg setzt Rapspreßkuchen sogar erfolgreich in der Schweinemast ein.
Zusätzlich wurde zur Ermittlung der Wirtschaftlichkeit der dezentralen Rapskuchen- und Rapsölkraftstoffproduktion ein Excel-Kalkulationsmodell erstellt. Dabei ist der Weg von der Erzeugung bis zur Nutzung oder Vermarktung der Produkte darstellbar. In diesem Modell können die gesamte Wertschöpfungskette sowie Teilbereiche einzeln betrachtet werden.

Aufwand gar nicht so groß

Der Aufwand für das Qualitätssicherungssystem in den beiden beteiligten Praxisbetrieben wurde zu Beginn des Projektes als relativ hoch eingeschätzt. Bei beiden konnte aber – auch durch Verweise auf bereits geführte Formulare und Dokumentationen – der Aufwand für die Qualitätssicherung erheblich verringert werden. Ein Jahr nach Abschluß des Projektes sind beide Ölmühlen weiterhin in Betrieb und halten die aktuellen und zukünftigen Vorgaben der Produktqualität sicher ein. Zudem konnte durch das Projekt die Sensibilität für das Thema Qualitätssicherung erhöht werden. Torsten Krüger, Leiter der Pflanzenproduktion bei der Agrargenossenschaft Bergland Clausnitz bestätigt das: „Die regelmäßige Kontrolle der im Qualitätssicherungssystem erfaßten Parameter der Rapssaatverarbeitung ist eine wichtige Voraussetzung zur Produktion von hochwertigem Rapsölkraftstoff und Rapspreßkuchen.“ Und Krüger steht auch weiterhin zur Eigenproduktion und -nutzung von Rapsölkraftstoff, denn die Rapssaatverarbeitung zur Deckung des innerbetrieblichen Bedarfes an Rapsölkraftstoff und Rapspreßkuchen bliebe auch unter den gegenwärtig schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ein Bestandteil des Konzeptes zur Schaffung regionaler Kreisläufe.
Die Ergebnisse und Dokumente des Vorhabens sind im Internet frei erhältlich. Dazu zählen das Qualitätssicherungssystem und die an das Praxisbeispiel Clausnitz angepaßte Version (jeweils Excel-Datei), die Datei zur Wirtschaftlichkeitsberechnung, das Handbuch und der Abschlußbericht.

Erik Ferchau (Verein zur Förderung von Biomasse und nachwachsenden Rohstoffen Freiberg e.V.)
Michael Grunert (Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie)

www.landwirtschaft.sachsen.de/landwirtschaft/12600.htm
www.biomasse-freiberg.de (Aktuelles)

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 4 / 2011 energie pflanzen erschienen.




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