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energie pflanzen
DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Mittwoch, 20.06.2018

Ablauf einer CEN-Normierung. / Grafik: CEN 2010Arbeitskreis CEN-WS 56 gegründet

Für die nötigen Verbesserungen von Qualitätsstandards für reines Pflanzenöl als Kraftstoff deuten sich Erfolge an. Im April stellte der deutsche DIN-V-51605-Ausschuß für Rapsölkraftstoff seinen Vorschlag für eine neue DIN 51605 zur Korrektur der Öffentlichkeit vor. Ebenfalls im April traf sich ein international besetzter Arbeitskreis zu einem „Kick-Off-Meeting“ des CEN-Workshops 56 in den Geschäfts-räumen der Europäischen Standard Organisation CEN (Comité Européen de Normalisation) in Brüssel. Ziel des Arbeitskreises ist ein sogenanntes CEN-Workshop-Agreement (CWA) zu Qualitätsnormen reiner Pflanzenöle als Kraftstoff für Dieselmotoren: Fuel Quality Specification – towards Pure Plant Oil Application in Diesel Engines.


Was ist ein CWA?

Ein CWA steht zwischen privaten Spezifikationen und verbindlichen, in der höchsten Stufe gesetzlichen Normen. Im Rahmen europäischer Normungsarbeit ist ein CEN-Workshop die unterste Stufe beispielsweise zur späteren Erlangung eines in Europa gültigen Qualitätsstandards für reines Pflanzenöl als Kraftstoff. Die Teilnahme an diesem Workshop ist für jeden offen zugänglich und freiwillig, aber kostenpflichtig.
Ab Vorlage und Veröffentlichung eines Business-Plans auf der CEN-Website soll innerhalb von maximal 18 Monaten und etwa fünf weiteren Treffen ein Abschlußpapier, eben das CWA, verfaßt und über das CEN veröffentlicht werden. Im Fall des Pflanzenöl-Workshops ist das Abschlußpapier für Mai oder Juni 2011 geplant. Die Koordinierung dieser Aufgabe und auch die Einsetzung des CEN-Workshops 56 übernahm das niederländische Normungsorgan NEN.

Vorgeschichte zum CEN-Workshop

Grundlage des CEN-Workshops 56 ist das von der EU geförderte FP7-Projekt „2nd VegOil“. In ihm testen die John Deere Werke Mannheim und der Motorentwicklungspartner Vereinigte Werkstätten für Pflanzenöltechnologie (VWP) zusammen mit weiteren europäischen Partnern moderne Common-Rail-Motoren über mehrere Emissionsstufen (TIER 3a, TIER 3b, TIER 4) mit unterschiedlichen Pflanzenölen über mehr als zwei Jahre auf Prüfständen und im Feld.
Vorausgehende Prüfstandtests von John Deere und VWP ab 2006 und VWP-Prüfstandsläufe mit geschlossenen Rußfiltern ab 2002 ergaben eindeutig, daß die gültige DIN V51605 für die geplanten Aktivitäten in „2nd VegOil“ nicht ausreichen würde. Beispielsweise verstopften Rußfilter, wenn Fahrzeuge mit Rapsöl nach Weihenstephaner Standard betrieben werden.
Zudem bezieht sich die DIN V 51605 ausschließlich auf Rapsöl, während die EU in „2nd VegOil“ auf eine ganze Bandbreite unterschiedlicher Pflanzenöle Wert legt. Aus diesem Grund befaßte sich „2nd VegOil“ von Anfang an mit Normungsaktivitäten zur Verbesserung der Kraftstoffqualität einerseits und der Verbreiterung der Rohstoffseite andererseits.

Bei Fahrzeugen, die mit Pflanzenöl nach Weihenstephaner Standard betrieben wurden, verstopften immer wieder die Rußfilter. / Foto: GruberWas sind die Ziele des CEN-WS 56?

Aufgrund der genannten negativen technischen Vorerfahrungen mit modernen Dieselmotoren mit Abgasnachbehandlungssystemen (Rußfiltern, SCR-Katalysatoren etc.) ist es nötig, eine Pflanzenölqualität zu bestimmen, die nicht aufgrund unerwünschter Begleitstoffe Motoren beschädigt und Abgasnachbehandlungssysteme verstopft oder vergiftet. Insbesondere die Alkali- und Erdalkali-Elemente Phosphor (P) sowie Calcium und Magnesium (Ca/Mg) werden für solche Störungen verantwortlich gemacht. Es ergeben sich somit folgende Ziele für den CEN-WS 56:

• motortechnischer Nachweis funktionsschädlicher Einwirkung von P, Ca/Mg und eventuell weiterer Stoffe wie Kalium und Natrium (K/Na)
• Suche, Bestimmung und Anpassung von Grenzwerten dieser Stoffe in Anlehnung an existierende Kraftstoffnormen für Biodiesel (EN 14214) bzw. reines Rapsöl (DIN V 51605)
• weitere Anpassungen der Kraftstoffqualität, eventuell durch Additive
• keine Begrenzung der Rohstoffbasis auf Raps, sondern Erweiterung der Qualitätsnormen auf andere Pflanzenöle
• Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien.

Der Zielkatalog führt zu einem Kraftstoff, dem eindeutig eine technische Nutzung zugewiesen wird, und zwar vorrangig, um technische Garantien in modernen Pflanzenölmotoren mit Abgasreinigungssystemen geben zu können. Ebenfalls galt in „2nd VegOil“ von Anfang an die Prämisse, daß die neue Kraftstoffqualität in dezentralen Ölmühlen herstellbar sein muß.

Ergebnisse des Kick-Off-Meetings

Beim Kick-Off-Meeting am 7. April in Brüssel war es die Absicht, für den CEN-Workshop neben Industrie und Mittelstand vor allem Vertreter der nationalen und europäischen Pflanzenölverbände sowie der bedeutendsten EU-geförderten Pflanzenölforschungs- und -demonstrationsprojekte (Biofuel Cities, VOICE, 2nd VegOil) für die Mitarbeit zu gewinnen.
Am Vormittag präsentierte die Hausherrin und CEN-Programm-Managerin Gaid Le Gall das CEN-Workshop-Konzept, zu dem Ortwin Costenoble und Georg Gruber die Hintergründe erläuterten. Anschließend diskutierten die Teilnehmer ausgiebig den Titel des Workshops „Fuel Quality Specification – towards Pure Plant Oil Application in Diesel Engines“ sowie den Business-Plan für den CEN-WS 56 . Mit der Wahl von Georg Gruber durch die Anwesenden zum Chairman und Vorsitzenden des Workshops und Marjan Wesselingh zur Übernahme des WorkshopSekretariats wurde der „CEN-WS 56 VegOil“ dann auch offiziell etabliert.

Aufgaben des CEN-WS 56 VegOil

Einer der ersten Tagesordnungspunkte war die Abgrenzung der bereits existierenden Kraftstoffnormen für Biodiesel EN 14214 und reines Rapsöl DIN V 51605  (Pflanzenöl der 1. Generation) zu den neuen Anforderungen für reine Pflanzenöle der 2. Generation (2nd VegOil). Als Vorbereitung und Aufgabe für die nächste Sitzung wurden die Firmen Waldland Vermarktungsgesellschaft und Vereinigten Werkstätten für Pflanzenöltechnologie mit einer Präsentation von Ergebnissen des Projektes 2nd-VegOil beauftragt, die sowohl die motortechnischen Anforderungen an die Kraftstoffqualität reiner Pflanzenöle als auch Untersuchungsergebnisse zur dezentralen Herstellung solcher Kraftstoffe aufzeigen soll.
Bezüglich der Ansprüche moderner Dieselmotoren an reine Pflanzenöle wurde eine Ideenliste aufgestellt, die in den nächsten Sitzungen abgearbeitet wird. Zum Begriffswirrwarr von „Straight Vegetable Oil (SVO)“, „Pure Plant Oil (PPO)“ oder „Pure Vegetable Oil (PVO)“ fand eine europäische Einigung statt. Es heißt nun  „Pure Plant Oil (PPO)“. Das nächste Treffen fand am 9. Juni 2010, wieder im CEN-Gebäude in Brüssel, statt.
Die Arbeitsgruppe und ihr Vorsitzender bedankten sich für die konstruktive und angenehme Arbeitsatmosphäre und die Gastfreundschaft des CEN.

www.cen.eu
www.vwp-europe.com


Georg Gruber (Vereinigte Werkstätten Pflanzenöltechnologie VWP)


Dieser Artikel ist in der Ausgabe 3 / 2010 energie pflanzen erschienen.




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