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DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Samstag, 23.06.2018

01_11_grassuntersaat_grDie Humusbilanz verbessern

Während Mais in der Öffentlichkeit aufgrund seines landschaftsprägenden Bildes in der Kritik steht, kämpfen Landwirte unter anderem mit der Humuszehrung durch den verstärkten Anbau des Biogas-Substrates. Untersaaten helfen zumindest, die Humuszehrung auszugleichen.

Eine Windböe drückt das Auto zur Seite, Laub fegt vom Wintersturm getrieben über die Straße. Doch rechts und links grünt Gras zwischen den Maisstoppeln auf den Äckern nördlich von Soltau in der Südheide. Der Mais ist längst für die Biogasanlage von Cord Winkelmann aus Gröps und Hagen Meyer aus Wolterdingen siliert. Mit dem Gras aber hat es eine Bewandtnis: Es ist Deutsches und Welsches Weidelgras, das schon seit dem Frühsommer hier steht, als Untersaat zum Mais. Nachdem es den Sommer über – gewollt – unter dem Mais eigentlich nur kümmerte, ergrünte es nach der Maisernte so richtig, und natürlich viel schneller als es frische Saat hätte können. Außerdem hat es damit die Vegetationszeit im Spätsommer und Frühherbst noch genutzt und restliche Nährstoffe aus dem Boden aufgenommen, die sonst mit dem Winterregen ausgeschwemmt werden können. Über den Winter wird es außerdem die Krume gegen Sturm und Regen festhalten. Erst im Frühjahr, wenn der Acker für die nächste Saat vorbereitet wird, pflügt Cord Winkelmann das Gras unter. Die Bodenorganismen werden es dann schnell verarbeiten und Humus daraus machen. Humus, der auf den oft sandigen, armen Böden der Südheide dringend benötigt wird, um Nährstoffe, aber vor allem auch Wasser zu speichern. Frühjahrs- und Sommertrockenheit war hier schon immer ein Problem und deshalb sind Untersaaten genaugenommen auch nichts Neues in der Region. Mit dem Maisanbau für Biogas bekommen sie aber eine neue Bedeutung.

01_11_grassuntersaat_p_gr„Jeder vernünftige Landwirt achtet auf seine Bodenfruchtbarkeit“, erklärt Manfred Dannenfeld vom Verein Landberatung in Bad Fallingbostel. Von den durchschnittlich 560 Kilogramm Humus-Kohlenstoff, die Mais in einer Saison pro Hektar aus dem Boden zehrt, könnten etwa 200 Kilogramm allein duch die Untersaat ausgeglichen werden. Untersaaten seien nichts Neues, betont Dannenfeld ebenfalls, aber durch die hohe Anzahl an Biogasanlagen rund um Soltau und den damit einhergehenden starken Maisanbau seien sie wieder ein Thema geworden. Seit dem vergangenen Jahr berät er deshalb verstärkt dahingehend, mit durchaus positiver Resonanz, erzählt der Berater. Ein längeres Mauerblümchen-Dasein führten die Untersaaten nach Aussagen von Saatgutzüchtern, teils weil ihre Handhabung nicht ganz einfach ist, teils weil kein wirtschaftlicher Nutzen gesehen wurde. Angeboten werden Untersaaten für Mais und Getreide, auch auf jeweils bestimmte Standorte und Aussaattermine zugeschnitten, erklärt Wolfgang Jerebic von der Deutschen Saatveredelung (DSV).

Mit Fingerspitzengefühl

Eine Untersaat anzulegen, erfordert durchaus Fingerspitzengefühl. Cord Winkelmann weiß von zwei Methoden: Bei der einen Variante wird horstbildender Rotschwingel – „da ist aber nicht jeder geeignet“, warnt der Landwirt – mit dem Mais gleichzeitig gesät. Im vergangenen Frühjahr sei es allerdings so kalt gewesen, daß zwar das Gras, aber nicht der Mais wuchs, der deshalb überwuchert wurde. Doch „die Hauptkultur darf nicht leiden“, das ist Winkelmanns Bedingung. Bei ihm war das auch nicht der Fall, denn er nutzt die andere Methode: Er wartet, bis der Mais etwa kniehoch ist. Dann baut er auf einen alten Maishacker – der Gerätetyp wurde mit verstärktem Herbizideinsatz unmodern – ein pneumatisches Saatgerät auf und bringt damit die Grassaat ein. Wenn sie aufgrund ungünstiger Witterung nicht aufläuft, hat Winkelmann damit wenig verloren. Läuft sie auf, ist der Acker im Winter grün und die Humusbilanz hervorragend, die vor allem durch das intensive Wurzelwerk des Grases zustande kommt. Sind Herbst und Winter mild, wächst das Gras gut und bietet sogar noch einen Schnitt fürs Futter. Dann hat sich der Aufwand allemal gelohnt.

Schädlingsbekämpfung anpassen

Einen Nachteil hat die Untersaat aber doch, muß Winkelmann zugeben: Die Maisstoppeln können nicht umgehend umgepflügt werden, so daß Gefahr besteht, daß sich der Maiswurzelbohrer einnistet. Die derzeitige Lösung besteht darin, ein weiteres Mal mit dem Schlegelmulcher über den Acker zu fahren, der die Stoppeln soweit aufschlägt, daß der Maisschädling nicht überwintern kann. Doch allzu viele Stoppeln sind schon plattgefahren. „Die Lösung wäre gar nicht schwierig“, meint der Landwirtschaftsmeister, der erst seit sechs Jahren seinen Hof wieder selbst bewirtschaftet, nachdem er ihn 30 Jahre lang verpachtet hatte. An den Maishäcksler müßte hinter dem Gebiß ein Unterflurhäcksler angebaut werden. Aber das bieten die Landmaschinenbauer derzeit nicht an. Ähnlich verhält es sich bei Getreide-Mischsaaten mit Wicke. Hier sei für die Ernte ein bestimmter Seitenschneider nötig, erzählt Winkelmann. Den gebe es zwar, aber für Lohnunternehmer sei die Anschaffung oft nicht lohnend. Nun soll es mit der Erbse statt der Wicke probiert werden.

Aber auch die Unkrautbekämpfung muß angepaßt werden. Deshalb sät Winkelmann die Untersaat lieber erst später. Schwierig wird es laut Winkelmann nur, wenn der Druck durch Hirse groß sei. Aber auch Storch- und Reiherschnabel seien solche „Problem-Unkräuter“, ergänzt der DSV-Berater Wolfgang Jerebic. Wasserkonkurrenz könne ein weiteres Hindernis für Untersaaten sein, so Andreas Henze von der Saaten-Union. Außerdem brauche gerade Mais Abstand zu anderen Pflanzen. Neu ist allerdings die Erkenntnis, daß die Aussaatmenge viel geringer sein darf als früher üblich. Aber nicht nur Saatgutzüchter betonen, daß für Untersaaten die Kompetenz des Betriebsleiters gefragt ist!

Dorothee Meier

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1 / 2011 energie pflanzen erschienen.




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