- Anzeige -
- Anzeige -
FORSTFACHVERLAG GMBH & CO. KG · MOORHOFWEG 11 · 27383 SCHEEßEL · info@forstfachverlag.de · www.forstfachverlag.de · ✆ +49 (0) 4263 / 9395-0
energie pflanzen
DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Samstag, 23.06.2018

03_11_fermenter_leer_grDem Fermenter auf den Grund gehen

Alle vier bis fünf Jahre – so hat die Erfahrung gezeigt – muß ein Fermenter komplett geleert werden, um die bis dahin entstandene Sinkschicht zu beseitigen. Mit den entsprechenden Maschinen kann ein Betreiber das auch selbst machen, meist geht es aber schneller, wenn ein Profi die Arbeit übernimmt.

Irgendwas stimmt doch hier nicht bei der Biogasanlage im kleinen Ort Nettgau ganz im Nordwesten von Sachsen-Anhalt – mal abgesehen davon, daß ein großer Teleskopkran unübersehbar auf dem Hof steht. Der Fermenter steht da „oben ohne“, den hat wohl jemand seines Tragluftdachs beraubt; und aus seinem Inneren dringen kratzend-schabende Geräusche. Dafür ist Jochen Brinkmeier verantwortlich, der mit einem Mini-Radlader auf dem Boden des Gärbehälters rumkurvt und den „Bodensatz“ in eine dort abgestellte Transport-Mulde schaufelt. Wenn diese voll ist, hebt der Kran sie aus dem Fermenter heraus, leert sie aus und das Spiel beginnt von vorne.

03_11_fermenter_schwebt_grSeit einem halben Jahr bietet Brinkmeier, Inhaber der gleichnamigen Landtechnik-Firma aus dem Kreis Gütersloh, den Service „Fermenter entleeren“ an. „Ein Betreiber erzählte, wie er auf etwas umständliche Weise einen Behälter seiner Biogasanlage leeren wollte. Da dachte ich mir: Das muß doch auch anders gehen.“ Anfangs kam er mit gemieteten Maschinen zum Einsatzort, mittlerweile investierte Brinkmeier und arbeitet mit einer Logistikfirma zusammen: „Denen sage ich, wann und wo ich den Kran brauche, und die bringen den rechtzeitig an Ort und Stelle.“ Bei einer Spedition mietet er einen Tieflader, den er mit seinem eigenen Gerät belädt. Bei seinen Kunden, denen er unter anderem schon länger Service für Strautmann-Feststoffdosierer anbietet, hat sich sein neues Tätigkeitsfeld schnell herumgesprochen, und mittlerweile ist er alle zwei bis drei Wochen unterwegs, um einen „Pott leerzumachen“. Der Zeitaufwand ist dabei ganz unterschiedlich: Natürlich spielt die Behältergröße eine Rolle und der jeweilige Füllstand. „Den kann man im Vorfeld nur schlecht abschätzen und erst richtig sehen, wenn das Dach abgenommen ist“, erklärt Brinkmeier. Da habe er auch schon die Überraschung erlebt, daß noch tausend Kubikmeter Gärmasse im Fermenter waren: „Der Einsatz dauerte dann drei Tage, im Idealfall geht es auch schon mal in ein paar Stunden über die Bühne.“

Vorbereitung ist wichtig

Eine Woche vor einem Einsatz muß die Fütterung der Anlage gestoppt und die Fermenter-Heizung ausgeschaltet werden. So kommt die Gasproduktion langsam zum Erliegen, außerdem wird der pumpfähige Teil der Gärmasse soweit wie möglich aus dem Behälter entfernt. Einen Tag vor dem großen Ausräumen wird das Dach des Fermenters abgenommen, damit das verbliebene Gas entweichen kann und der Behälter belüftet wird. Im besten Fall zeigt sich jetzt, daß nur noch soviel Bodensatz zurückgeblieben ist, daß gleich mit dem Mini-Radlader das Ausräumen begonnen werden kann. Ist der Füllstand dafür noch zu hoch, ist eine Hilfskonstruktion nötig: „Dann setzen wir den Mini-Bagger auf ein Podest und heben ihn damit in den Fermenter rein. Der Bagger schaufelt dann solange Material raus, bis wir den Radlader reinsetzen können“, erzählt Brinkmeier.
Die Sicherheit aller Beteiligten steht für ihn an erster Stelle: Wer im Fermenter arbeitet, trägt grund-sätzlich ein Gasmeßgerät bei sich, das die Konzentration von Sauerstoff, Methan, Schwefelwasserstoff und Kohlendioxid mißt. Wenn eines der Gase einen kritischen Wert erreicht, wird der Einsatz unterbrochen, bis der Behälter wieder ausreichend belüftet ist. Dazu werden spezielle Lüfter eingesetzt, die das Gasgemisch im Fermenter umwälzen und mit sauberer Luft mischen. In besonderen Fällen – zum Beispiel in Fermentern mit Betondecke – müsse man eben ein Atemschutzgerät tragen, so Brinkmeier.

Johanna Waid

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 3 / 2011 energie pflanzen erschienen.




Wer immer gut informiert sein will, muß die Zeitschrift energie aus pflanzen lesen.
Kompetente Fachinformationen rund um nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energien.

nach oben | Startseite

    © 2018 Forstfachverlag GmbH & Co. KG KONTAKT | AGB | DATENSCHUTZ | IMPRESSUM