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DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Samstag, 23.06.2018

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Bislang galt es als unmöglich, ganze Rüben im Fahrsilo zu konservieren. Doch mit einigen kleinen Tricks, die das Silo luftdicht machen, geht es doch. Das bewies jetzt Hugo Schleupen von der Gutsgemeinschaft Lenthe.

Es riecht säuerlich-süßlich wie Silage und doch ein wenig anders an den Fahrsilos hinter der Biogasanlage der Bioenergie Lenthe GbR. Der Anschnitt der Maissilage ragt hoch hinauf. Nebenan liegt ein kleinerer Haufen brauner, gummiartiger Zuckerrüben offen in der glühenden Sommerhitze.

In der Ferne schweift der Blick über wogenden Winterweizen, unterbrochen von mit Linden gesäumten Alleen, auf denen der Feierabendverkehr aus der Stadt Hannover herausrollt. Hugo Schleupen nimmt einen Spaten und holt etwas aus, um eine „Gummi-Rübe“ aus dem Fahrsilo zu teilen. „Die Rüben sind einwandfrei“, erklärt der Agraringenieur, der als Verwalter der Gutsgemeinschaft Lenthe 310 Hektar bestes Ackerland und die Biogasanlage Bioenergie Lenthe betreut.

lenthe_ruebensilage_grDeren Bau hat Schleupen nach Inkrafttreten des EEG 2004 initiiert, denn die Betriebe in der von Marktfruchtanbau geprägten Börde litten damals unter niedrigen Getreidepreisen – Winterweizen ist hier mit etwa 60 Prozent die bestimmende Ackerfrucht. Auf Platz zwei folgen mit etwa einem Viertel der Anbaufläche Zuckerrüben. Raps, Kartoffeln und neuerdings Mais spielen nur eine kleine Nebenrolle. „Das war damals ein sinkendes Schiff“, erinnert sich Schleupen, der seit 23 Jahren auf dem Gut angestellt ist. Die Getreidepreise niedrig, die Marktordnung für Zuckerrüben in Überarbeitung: Das machte die Suche nach etwas mit höherer Wertschöpfung nötig. Die Lösung fand Schleupen in einer Biogasanlage, die als Monovergärung für Maissilage in Betrieb ging. Mais gilt in Südhannover als Bereicherung zwischen den stets gleich wogenden Getreidefeldern. Und obwohl die Art auch Nachteile hat, beispielsweise ein Humuszehrer ist und unter einem negativen Image leidet, lockert sie hier die Fruchfolge auf. So hat der Betrieb auch keine Mühe mit der Substratbeschaffung. Die 310 Hektar des Gutes würden zwar auch problemlos für eine reine Selbstversorgung ausreichen, aber zahlreiche Nachbarn böten von sich aus einen Vertragsanbau an, berichtet Schleupen. „Wir sind da flexibel“, sagt er und betont, daß der Preis „ein klein wenig interessanter“ als der für Winterweizen sei. Verträge gibt es für jeweils ein Jahr.
Doch Schleupen reicht es nicht, daß die Anlage „toll läuft“ und hat dabei die Wertschöpfung je Hektar Acker im Auge. Außerdem er will nicht nur „auf ein Pferd setzen“, falls der Mais einmal Hagelschlag abbekommt oder Schädlinge einfallen. Zudem erwartet er, daß das EEG 2012 „irgendetwas zu Fruchtfolgen“ enthalten wird.

Zuckerrüben flexibel nutzen können

Selbstverständlich baut Schleupen weiterhin sein Kontingent für die Zuckerfabrik in dem etwa 30 Kilometer entfernten Nordstemmen an, aber nun kann er mehr Flächen für den Rübenanbau nutzen, zumal die Erträge mit über 80 Tonnen je Hektar auf dem guten Lößboden hoch sind. Daß die Rüben ein hohes Methanbildungspotential besitzen, ist schon lange bekannt, „jetzt geht es darum, diesen kostengünstig in die Anlage zu bekommen. Bis Januar kann man die Rüben in einer Miete auf dem Feld lagern“, weiß Schleupen, aber silierte Rüben erbringen einen höheren Methanertrag, und außerdem hätte er sie gern das ganze Jahr – ohne Steine und einigermaßen sauber. Zum Waschen und Entsteinen existiert zwar die Rüben-Wäsche der KWS (siehe energie pflanzen 6/2008), aber eine trockene Entsteinung wäre besser. Er weiß zwar von Überlegungen bei Herstellern, aber „zwei Jahre wird das noch dauern“, so Schleupen. Die Silierschläuche, wie sie in jüngster Zeit anderswo probiert wurden, sind ihm zu teuer und platzraubend. Außerdem störe die Folie am Boden beim Aufnehmen des Substrates mit der Radlader-Schaufel, so der Praktiker. Dafür dachte er sich, daß die Rübensilierung doch auch im Fahrsilo funktionieren müsse, wenn nur der Luftabschluß gut genug ist, was nach Expertenmeinung nicht möglich sein sollte, da Rüben nicht festgefahren werden können.

„Doch wir haben es gewagt“, erzählt Schleupen direkt heraus. Und zwar so: Einen der eigentlich für Maissilage gebauten Traunsteiner Fahrsilos kleidete er an den Seiten mit Silofolie aus. „Der Boden muß mit säurefestem Asphalt beschichtet sein“, warnt er, um dicht zu sein, aber auch um die niedrigen pH-Werte des Sickersaftes von 3,2 auszuhalten. Anfang Dezember vergangenen Jahres wurden die zwei Wochen zuvor geernteten, am Feldrand getrockneten und mit der Verlademaus vorgereinigten Rüben auf vier bis fünf Meter hochgeschoben. Schleupen deckte sie zunächst mit einer Unterziehfolie ab, die an den Seiten auch mit der Wandfolie überlappt, schließlich ist die Luftdichtigkeit das A und O des Silos, mehr als bei Mais: „Bei dem ganzen System kommt es auf Details an!“ Das kann Schleupen gar nicht oft genug betonen. Damit das Silo auch luftdicht bleibt, kommt oben drauf noch eine Abdeckfolie und ein Metallgitter gegen Vögel, denn der kleinste Schnabelhieb würde die Silage zunichte machen.

Eine wissenschaftliche Begleitung gibt es nicht, aber Schleupen beobachtete, daß sich die Unterziehfolie regelrecht an die oberste Rübenschicht ansaugt. Auch sacken die Rüben in sich zusammen. Außerdem kommen größere Mengen Sickersaft aus der Silage, die „unbedingt aufgefangen werden müssen“, so der Landwirt, denn tausend Liter dieses Saftes produzieren soviel Methan wie eine Tonne Maissilage. Was in der Silage passiert, erklärt Schleupen so: Die Restluft unter der Folie wird in wenigen Tagen veratmet, dann setzt die Milchsäuregärung ein. Die Rüben werden dabei weich und sacken deshalb zusammen. Der Sickersaft ist eine Folge des geringen Trockensubstanzgehaltes der Rüben von 26 Prozent.

Nach fast einem halben Jahr öffnete Schleupen die Silage am 20. Mai, und war zufrieden. Die Rüben waren gut. Sie liegen so dicht, daß die beim Aufnehmen mit dem Radlader entstehende Kante senkrecht stehen bleibt. Um eine einzelne Rübe zu teilen, muß Schleupen mit dem Spaten schon etwas ausholen. Die Deckfolien hat er ganz abgenommen: „Darunter schwitzt das, und Luft kommt doch ran. Das schimmelt sonst nur“, so seine Erfahrung. Nach sieben Wochen war die offene Silage auf der Platte immer noch einwandfrei: obenauf eine harte, trockene Schicht Rüben. In Zukunft wird er aber wohl jeweils Monatsportionen durch das Einziehen von Zwischenfolien luftdicht einpacken, um das Risiko zu verringern.

lenthe_grIn diesem Jahr soll die Rübensilage zumindest noch bis zum 1. Oktober halten, dann beginnt die neue Ernte. Auch öffnete er die Silage bewußt über die heißen Monate, um die Grenzen seines Verfahrens auszutesten. Insgesamt 850 Tonnen hatte Schleupen einsiliert. Wie hoch die Energieverluste von der Frischrübe bis zur Fermenterfütterung als silierte Rübe sind, kann er nicht beziffern, weil beispielsweise die gasförmigen Verluste nicht erfaßbar sind.

Im kommenden Jahr sollen die günstigen Gäreigenschaften der silierten Zuckerrüben eine Erweiterung der Biogasanlage von bisher 530 auf 759 Kilowatt Leistung ermöglichen. Die Gärstrecke kann dabei unverändert bleiben, da die Rüben schneller vergären und damit der Durchsatz steigt. Außerdem wird die Gärmasse flüssiger, was Strom für die Rührwerke spart. Nur ein neuer Motor zur Biogas-Verstromung muß zugebaut werden, geplant als Satelliten-Blockheizkraftwerk. 

Überhaupt geht Schleupen davon aus, daß bei Zuckerrüben als Biogassubstrat noch Zuchtfortschritte möglich sind, vor allem, da für Biogas nicht der Zucker-, sondern der Trockenmassegehalt entscheidend ist. Damit können Zuckerrüben bei geeigneten Böden auch dort in die Fruchtfolge einziehen, wo keine Zuckerrübenkontingente vorhanden sind.

www.gutsgemeinschaft.de

Dorothee Meier

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 4 / 2010 energie pflanzen erschienen.




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