- Anzeige -
- Anzeige -
FORSTFACHVERLAG GMBH & CO. KG · MOORHOFWEG 11 · 27383 SCHEEßEL · info@forstfachverlag.de · www.forstfachverlag.de · ✆ +49 (0) 4263 / 9395-0
energie pflanzen
DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Mittwoch, 20.06.2018

bga-trum_gr
Ende 2004 ging die Biogasanlage von Friedrich-Wilhelm Trumann in Betrieb – damals ganz „klassisch“ als Naßfermentation mit einem Substratmix aus der Gülle seiner Milchkühe und verschiedenen Energiepflanzen. Seitdem hat sich einiges geändert: Wie viele andere seiner Zunft gab er die Milchviehhaltung auf und rüstete die Biogasanlage unter anderem mit zusätzlichen Rührwerken und neuer Dosiertechnik nach. Im Jahr 2008 stellte er den Substratmix zudem von der Gülle-Co-Vergärung auf reine Maissilage um.

Der Feststoffdosierer steht erhöht auf einer Rampe, so daß die Förderschnecke nur eine kurze Distanz in waagerechter Position fördern muß. Voller Tatendrang wirkt Friedrich-Wilhelm Trumann, als er vormittags auf seinen Hof im kleinen Ort Höfer (Landkreis Celle) fährt – die ersten arbeitsreichen Stunden des Tages hat der Landwirt und Miteigentümer zweier Biogasanlagen da schon hinter sich. Bei der Biogasanlage, die seit Ende 2004 auf seinem Hofgrundstück steht, geht es gleich weiter: Früher als erwartet sind schon Anfang Mai zwei Monteure der Firma Schnell mit einem neuen 250-Kilowatt-Motor angereist. Der Zündstrahl-Motor, der jetzt ersetzt wird, hat seine Schuldigkeit getan: „Der läuft nach 47.000 Stunden zwar immer noch, aber wir wollten nicht warten, bis im ungünstigsten Moment der endgültige Stillstand kommt“, erklärt Trumann.

bga-trum_motor_grWährend die Monteure noch mit der Demontage des alten Motors beschäftigt sind, hebt Friedrich-Wilhelm Trumann den neuen mit dem Radlader aus dem Transportanhänger und setzt ihn vor dem Seiteneingang des Bhkw-Gebäudes ab – am Abend wird er wohl schon fertig eingebaut sein und vor sich hintuckern.

Mit dem Service der Firma Schnell ist der Betreiber zufrieden: „Die sind immer gut zu erreichen und bei Bedarf schnell vor Ort.“
Bei der Leistung der Anlage entschieden Trumann und sein gleichberechtigter Mit-Gesellschafter Harald Hahnkemeyer sich für 500 Kilowatt elektrisch, weil dies ihnen bei den Festkosten pro installiertem Kilowatt die beste Wirtschaftlichkeit bot. Genügend eigene Flächen für den Anbau der Energiepflanzen bringen die beiden Ackerbaubetriebe mit. Ende 2004 startete die Anlage zunächst mit zwei Blockheizkraftwerken (Bhkw) des Herstellers 2G Energietechnik mit 105 und 180 Kilowatt elektrischer Leistung. Wenig später wurde als dritter Motor ein 250-Kilowatt-Zündstrahler von Schnell in Betrieb genommen.

Anwohner rechtzeitig informiert

Akzeptanzprobleme bei der örtlichen Bevölkerung gab es bei seiner Anlage nicht, erinnert sich Friedrich Trumann: „Wir haben vor dem Bau der Anlage informiert und nach Inbetriebnahme einen Tag der offenen Tür veranstaltet. 1.500 Besucher haben gezeigt, daß das Interesse sehr groß war – damals waren Biogasanlagen noch nicht so weit verbreitet in dieser Gegend.“ Kritik zum verstärkten Maisanbau hat Trumann auch noch nicht erfahren, da versucht er schon von selbst, etwas gegenzusteuern, und pflanzt zur optischen Auflockerung Blühstreifen mit Sonnenblumen an. Die landen dann auch im Fermenter, der Anteil bewege sich aber im Promille-Bereich, so Trumann.
Für den Bau der gesamten Anlage war die Firma Planet Biogastechnik verantwortlich, Friedrich Trumann erinnert sich an die Entscheidung für diesen Anbieter: „Für uns war wichtig, daß wir eine schlüsselfertige Anlage bekommen, und bei der Planung ist die Firma uns flexibel entgegengekommen.“ Bei den technischen Details habe ihn damals überzeugt, daß die Fermenterheizung zusätzlich zum Boden auch in die Wand integriert sei und die Gärbehälter mit Holzdecken zur Entschwefelung ausgestattet sind. Vorteilhaft findet Trumann auch die Gestaltung der Bodenplatte, die zur Mitte hin leicht konisch abgesenkt ist. Entscheidend ist das, wenn die Behälter komplett geleert werden müssen – etwa für Wartungs- oder Reparaturarbeiten. Bei Trumann erfolgte so eine vollständige Leerung der Behälter im Jahr 2008, um zusätzliche Tauchmotorrührwerke einzubauen.
In der Anfangszeit der Anlage sahen die Gärbehälter viele verschiedene Substrate: Neben Gülle und Maissilage waren auch Gras, Roggen-Ganzpflanzensilage (GPS) und Sonnenblumen dabei. Im Jahr 2008 aber stellten Trumann und sein Partner die Anlage auf die Fütterung reiner Maissilage um. Nach der damals gültigen Fassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2004) galt das als Trockenfermentation, die definiert war über den Einsatz stapelbarer Substrate mit einem Trockensubstanzgehalt von mindestens 30 Prozent. Nach der aktuell gültigen Fassung des EEG von 2009 gilt die Variante von Trumann nicht mehr als Trockenfermentation und würde den entsprechenden Bonus nicht mehr erhalten.

Schon 2006, zwei Jahre vor der Umstellung der Anlage, hatte Trumann sein Milchvieh abgeschafft und den Betrieb vollständig auf Ackerbau ausgerichtet. Die Milchwirtschaft war für ihn mit zuviel Arbeitsaufwand verbunden, zudem hätte er in neue Technik investieren müssen und entschied sich letztlich dagegen. Eigene Tiere zur Güllelieferung gab es also nicht mehr, und Roggen-GPS habe sich als zu teuer erwiesen: „Außerdem sind die oft sandigen Böden in dieser Gegend zu trocken, das Grundwasser ist knapp.“

Insgesamt bewirtschaftet Trumann 750 Hektar Ackerfläche, auf insgesamt 400 Hektar wächst Mais für die zwei Biogasanlagen, an denen er beteiligt ist. 240 Hektar werden für den Anbau von Kartoffeln genutzt, die teils als Saat-Kartoffeln verkauft oder an eine Fabrik für Kartoffelprodukte geliefert werden. Die restlichen Flächen sind mit verschiedenen Getreidesorten belegt. Eine Motivation für den Bau der Biogasanlage war auch, daß Trumann keine Brachflächen mehr in seinem Betrieb haben wollte: „Bei der Pacht und weiteren Festkosten, die auch bei Brachflächen anfallen, macht man damit Verlust. Auch bei den damals noch üblichen Stillegungs-Prämien.“ Schließlich sei die Entscheidung für den Anbau von Energiepflanzen gefallen. Weil Raps bei ihm nicht in die Fruchtfolge mit Kartoffeln passe, sei er dann beim Biogasmais gelandet, begründet Trumann.
Versuchsweise wurde auch schon Zuckerhirse angebaut, „aber da hatten wir definitiv ein zu kaltes Jahr erwischt, Ertrag und Trockensubstanz-Gehalt waren so gering, daß es bei dem einmaligen Versuch geblieben ist“, erinnert sich Trumann.

Rührwerke nachgerüstet

Für die Umstellung auf Mais-Monovergärung wurde der fast 2.000 Kubikmeter große Fermenter mit zwei Tauchmotorrührwerken mit Großflügeln von KSB nachgerüstet, seit Inbetriebnahme laufen darin schon ein Schnelläufer-Rührwerk von Flygt und ein Paddelgigant der Firma Agrikomp. Der Nachgärer faßt ebenfalls 2.000 Kubikmeter, dort rühren ein Schnelläufer und ein Paddelgigant. Die Tauchmotorrührwerke sind mit einem Abstand von fünf Metern von der Wand eingebaut und rühren bei Bedarf mit 35 Umdrehungen pro Minute. Der Betrieb des Schnelläufers im Fermenter ist an die Fütterung gekoppelt und sorgt dafür, daß Verklumpungen der Silage gleich aufgelöst werden.

Um bei der Monovergärung das Gasbildungspotential der Maissilage möglichst vollständig auszunutzen, setzt Trumann Spurenelemente zu: „Das kostet uns 850 Euro pro Monat, aber ohne geht es nicht.“ Bevor die Masse aus dem Nachgärer ins Endlager kommt, wird sie separiert, und die flüssige Phase zurück in den Fermenter gepumpt. Damit ergibt sich dann ein Trockensubstanz-Gehalt von 9,5 Prozent im Fermenter. Im ausgegorenen Substrat hat sich der Trockensubstanz-Gehalt dann auf acht Prozent verringert.
Wie auch bei anderen Anlagen üblich, befördert ein Feststoffdosierer die Maissilage in den Fermenter. Das Modell bei der Anlage in Höfer faßt die komplette Tagesration von 27 Tonnen Maissilage, wird aber meist zweimal täglich befüllt: „Abends schaue ich sowieso nochmal nach dem Rechten, da kann ich dann auch mit dem Radlader noch ein paar Schaufeln nachlegen“, begründet Trumann diese Praxis. Der Dosierer arbeitet nicht mehr mit einem klassischen Schubboden, sondern ist diesen Februar mit der Einbringtechnik „Vario“ des Herstellers Planet Biogastechnik nachgerüstet worden: Bei dieser Variante führen einzeln angetriebene Schubstangen das Substrat der Förderschnecke zu.

Bei der Einbringtechnik und seinem Substrat-Mix möchte Trumann künftig noch etwas tüfteln: Um eine bessere Gasausbeute zu erreichen, soll die Silage vor dem Einbringen weiter zerkleinert werden; damit wäre auch der Einsatz von Gras und Heu denkbar und die Ergänzung mit Puten- und Rindermist. Mit einer eigenen Investition will Trumann sich zurückhalten: „Der Zerkleinerer soll als Mietkauf angeschafft werden, da können wir dann jederzeit auch wieder aussteigen, falls sich der gewünschte Erfolg nicht einstellt.“

Wärmenutzung noch ausbauen

Die Herausforderung einer möglichst vollständigen Wärmenutzung ist noch nicht zufriedenstellend gelöst: Derzeit werden mit der Bhkw-Abwärme sechs Wohneinheiten in unmittelbarer Nähe geheizt, bei der Wärmenutzung gibt es also definitiv noch Luft nach oben. In der Entfernung von rund einem Kilometer gäbe es die Möglichkeit, weitere private Abnehmer anzuschließen – hier steckt die Planung aber noch in der Anfangsphase, die Wirtschaftlichkeit wird geprüft. Statt einer möglichst umfassenden Wärmenutzung habe man auch überlegt, in eine Gasaufbereitung zu investieren, und diese Option mit dem zuständigen Energieversorger durchgerechnet. „Das Ergebnis war aber, daß das für uns nicht wirtschaftlich ist“, so Trumann. Auch die Überlegung, eine Kältemaschine anzuschaffen, um im Sommer die Kartoffeln zu kühlen, wurde wieder verworfen: Die Investition hätte sich bei den geringen Laufzeiten pro Jahr nicht gelohnt. Für eine Holz- oder Gärresttrocknung will Trumann sich nicht begeistern lassen, vielleicht laufe es aber auf eine einfache Trocknung von Mais oder Getreide hinaus.

www.planet-biogas.com


Johanna Waid

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 3 / 2011 energie pflanzen erschienen.




Wer immer gut informiert sein will, muß die Zeitschrift energie aus pflanzen lesen.
Kompetente Fachinformationen rund um nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energien.

nach oben | Startseite

    © 2018 Forstfachverlag GmbH & Co. KG KONTAKT | AGB | DATENSCHUTZ | IMPRESSUM