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DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Mittwoch, 20.06.2018

05_11_fischmast_01_grFischmast mit Biogaswärme

Die drei Brüder Bernd, Carsten und Harald Pommerehne betrieben bereits eine Biogasanlage. Ein Ausbau dieses Betriebszweigs machte jedoch nur mit einer sinnvollen Wärmenutzung Sinn. Mit der Mast von Welsen fanden sie diese. Gleichzeitig wuchs die Wertschöpfung, ohne weitere Ackerflächen zupachten zu müssen.

Auf den Wärmerohren, die vom Blockheizkraftwerk nebenan kommen, trocknen T-Shirts und Hosen. Die Erklärung zeigt sich schnell: Von dem Vorraum gelangt man in eine abgedunkelte, etwa 30 mal 40 Meter große Halle mit 48 Wasserbecken. Über einem Becken rieseln gerade kleine Pellets aus einem Futterautomaten und schon schäumt und spritzt das Wasser. Kiloschwere afrikanische Welse winden sich bis an die Wasseroberfläche, um an das Futter zu gelangen. Wer zu dicht dran steht, wird unweigerlich naß. Das Wasser ist 28 Grad warm, Heizquelle ist die Abwärme einer 750-Kilowatt-Biogasanlage nebenan. Gebraucht wird die Abwärme der drei 250-Kilowatt-Schnell-Motoren aber nicht nur zum Heizen der sechs Kubikmeter großen Bassins mit je etwa 120 Fischen. Ein Teil des Wassers, insgesamt 30 Kubikmeter, muß jeden Tag gewechselt und das neue Wasser vorgewärmt werden. Und dann wird noch Wärme zum Kühlen für die Schlachthalle und den frisch geschlachteten Fisch benötigt. Hierzu dient eine Absorptionskältemaschine. In der Schlachthalle ist noch alles nagelneu. Die Welsmast ging erst im vergangenen Jahr in Betrieb; etwa 2,5 Durchgänge pro Jahr und Bassin mit einer Gesamtjahresproduktion von 250 Tonnen Fisch sind geplant.

05_11_fischmast_02_grDie Abnehmer für das frische Welsfleisch sind Hotels und Gaststätten, aber inzwischen auch ein Fertiggerichte-Hersteller, der Wert auf nachhaltig produzierte Lebensmittel legt: Die Wildbestände werden geschont und die Produktion in Lüchow erfolgt ressourcenschonend und energieeffizient. „Mit den Schlachtabfällen der Fische werden die Schweine gefüttert“, erklärt Carsten Pommerehne und zeigt auf ein metallenes, kleines Hochsilo, das trotz des Regens im diffusen Licht glänzt. Der Landwirt Carsten Pommerehne und sein Bruder Harald, ebenfalls gelernter Landwirt, sind eigentlich für den Außenbetrieb und den „Schriftkram“ auf Gut Lüchow bei Altenkalen in Mecklenburg zuständig, doch er vertritt gerade den Dritten im Bunde, Bernd, der sich um die Fischzucht, die Biogasanlage und die Schweinemast kümmert, sich aber ein paar Tage auskurieren muß.
Vor fast 20 Jahren hatten Carsten und Harald Pommerehne, nachdem die Pacht für den elterlichen Betrieb bei Hannover auslief, sich in Lüchow um Land bemüht. Die Wende in der DDR kurz zuvor hatte dies möglich gemacht. Daß der neue Betrieb gerade zwischen Demmin und Teterow entstand, ist Familienbanden zuzuschreiben: Vor der Gründung der DDR und der Enteignung durch das kommunistische Regime hatte das Land einem Großonkel der drei Brüder gehört. Im Jahr 1996 stieg auch der zweitälteste Bruder Bernd noch ein, nachdem er sein Elektrotechnik-Studium abgeschlossen hatte. Bis dahin hatten die beiden anderen Brüder reinen Ackerbau betrieben. Nun wurde der Schweinestall mit 250 Sauen und 2.000 Mastplätzen gebaut, schließlich sollte der Gesamtbetrieb letztlich drei Familien ernähren können. Die bewirtschaftete Ackerfläche liegt mittlerweile bei 600 Hektar, nur ein Teil davon wurde inzwischen zu Eigentum.

Drei Brüder, vier Firmen

05_11_fischmast_03_grAnfang der 2000er Jahre hatten die drei Brüder die Nase voll von den ständig steigenden Preisen für Heizöl, 100.000 Liter pro Jahr benötigten sie zum Wärmen des Stalls. Als Heiz-Alternative kamen sie dann auf Biogas. Die Einführung des sogenannten Nawaro-Bonus mit der EEG-Novelle 2004 gab dann endgültig den Ausschlag für den Bau einer 500-Kilowatt-Biogasanlage von Planet Biogastechnik, zumal damals auch noch eine Investitionsförderung durch das Land möglich war. Doch schon bald wollte man weiterwachsen.
Zusätzliche Flächen für den Ackerbau waren jedoch nicht zu bekommen, also suchten die Brüder nach Möglichkeiten, die Wertschöpfung aus dem Vorhandenen zu erhöhen. So entstand die Idee zum Bau der zweiten Biogasanlage mit 750 Kilowatt elektrischer Leistung, die im Jahr 2007 in Betrieb ging. Allerdings wurde noch eine gute Wärmenutzung benötigt: „Wir sind dann auf Messen wie der Biogasfachmesse und der Eurotier gewesen und haben uns umgeschaut, was es gibt und was machbar sein könnte“, erinnert sich Carsten Pommerehne. Fündig wurden sie bei der Aquakultur, die ihnen auch sinnvoller als eine Holztrocknung erschien. So entstand die jetzige Betriebskonstellation aus vier Einheiten: Die Gebr. Pommerehne GbR betreibt die Landwirtschaft, die Bioenergie Lüchow GmbH & Co. KG die Biogasanlagen und die Fischmast, die Welsmeister GmbH & Co. KG ist für die Schlachtung sowie den Vertrieb der Fische zuständig und die Labedi Landwirtschaftliche Beratung schließlich war für Dienstleistungen im Ackerbau gegründet worden und betreibt jetzt die Photovoltaik-Anlagen auf den Gebäudedächern. Welse sind als bodenbewohnende Fische tendenziell einfacher in der Haltung als schwimmende Fische wie Zander; die von Pommerehnes genutzte afrikanische Art stammt aus den Tropen und vermehrt sich deshalb das ganze Jahr über. Futtermittel- und Setzlingsbeschaffung sowie der Absatz der geschlachteten Welse ist über die im Jahr 2007 gegründete Genossenschaft Fischgut Nord eG organisiert. Sie berät auch die Fischmäster, die in der Regel aus der Landund nicht der Fischwirtschaft kommen, und ist für das Qualitätsmanagement zuständig. Ihr Geschäftsbereich ist der norddeutsche Raum, die Mehrzahl der derzeit knapp zehn Mitglieder betreibe die Mast von afrikanischen Welsen, so Reiner Elies von der Genossenschaft.
Schlachttermin auf Gut Lüchow ist einmal pro Woche. Dann füllt sich die Schlachthalle nicht nur mit festen Mitarbeitern, sondern auch mit Aushilfen. Die Schlachtabfälle werden hygienisiert und an die Schweine verfüttert – und sind damit im Grunde Ersatz für gekauftes Fischmehl. „Wir wollen hier alles nutzen“, betont Pommerehne. So wird auch das verbrauchte Wasser aus der Fischmast zunächst gesammelt und bei Trockenheit auf 130 Hektar umliegenden Äckern verregnet. Es ist so gering verschmutzt, daß es sich wie Brunnenwasser handhaben ließe, erklärt Pommerehne, auch wenn es der Art nach und formal „Gülle“ ist. Die sozusagen echte Gülle – die von den Schweinen – geht komplett in die Biogasanlagen. Im Substratmix der Anlagen macht sie knapp die Hälfte aus, die andere Hälfte besteht zum größeren Teil aus Mais- sowie aus Roggen-Ganzpflanzensilage. Derzeit ist auch noch etwas Roggenschrot „zum Gasmachen“ dabei, so Pommerehne. Im kommenden Jahr sollen jedoch Rüben diese Funktion übernehmen. Das wäre auch für die Fruchtfolge besser, erklärt der Landwirt, eine „Vermaisung“ werde in der Tourismus-Region nicht beklagt, fügt Pommerehne noch hinzu – den Touristen seien eher die landwirtschaftlichen Maschinen zu langsam. Von den bewirtschafteten Flächen dienen nur etwa zwei Drittel dem Substratanbau für die Biogasanlage, ein Viertel ist dem Anbau von Weizen zur Schweinefütterung vorbehalten, etwa zehn Prozent sind Marktfrüchte, vor allem Weizen und Raps. Die Vielfalt ergibt sich fast zwangsläufig aus den stark schwankenden Bodenzahlen zwischen 20 und 50 auf dem sogenannten eiszeitlichen Geschiebe.

Verluste an vielen Stellen vermeidbar

Auf dem Hof rangiert einer der insgesamt zwölf festen Mitarbeiter mit einem Futtermischwagen mit Fräse, der erst seit wenigen Monaten auf dem Hof ist. Der Fahrer hobelt von der fast schnurgeraden, senkrechten Wand des Silos mit Roggen-Ganzpflanzensilage eine Portion ab, dann eine deutlich größere vom Maissilo. So sei das Substrat gleichmäßiger durchmischt, betont Carsten Pommerehne, vorher wurde ein Radlader verwendet. Der gerade Schnitt verhindere auch, daß im oberen Teil des Silos Silage angehoben werde und Luft hineinkomme, so der Landwirt weiter. Denn die Luft würde einen Teil des Energiegehaltes abbauen. Die gut durchmischte Futterration landet anschließend im Dosierer mit senkrechtstehender Mischschnecke. Das Substrat wird hier dem gepumpten Güllestrom beigemischt. Das ist an der größeren, neueren Anlage ebenso, auch wenn hier ein Schubboden das Futter einer Schnecke zuführt, die es weitertransportiert. Vor einigen Wochen war die Schnecke gebrochen und mußte ersetzt werden. Der Versuch, sie selbst zu schweißen, gelang zwar, aber es blieb eine Unwucht, die sofort wieder zum Bruch führte, erinnert sich der Betreiber an den Versuch, den Schaden schnell selbst zu beheben. In den Fermentern sorgen langsamlaufende und energiesparende „Paddelgiganten“ für Durchmischung und Ausgasung, in den großen Behältern sogar je zwei, auch wenn Pommerehne vermutet, daß eines ausreichen würde. Tauchmotorrührwerke sind in den 2.000-Kubikmeter-Behältern zwar ebenfalls installiert, aber die wären noch nie gebraucht worden, berichtet Pommerehne.
Der aus dem Biogas erzeugte Strom wird zunächst selbst verbraucht, denn er ist preiswerter als vom Energieversorger eingekaufter. Nur überschüssiger Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist. Doch der Zugang wurde in diesem Jahr schon zweimal abgeschaltet, einmal waren angekündigte Instandhaltungsarbeiten am Stromnetz der Grund, für das andere Mal kennt Pommerehne die Ursache nicht. Er ärgert sich nur, daß der Netzbetreiber keine Mitteilung machte, wann die Anlage wieder ans Netz konnte, so daß Pommerehne immer wieder ausprobieren mußte, ob der Strom nun wieder abgenommen wird. Für den Fall, daß ein oder mehrere Bhkw ausfallen, ist eine Biogastherme installiert, um zumindest die Wärmeversorgung der Fischmast und des Schweinestalls sicherzustellen, ohne Biogas ungenutzt abfackeln zu müssen.

www.welsmeister.de

Dorothee Meier

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 5 / 2011 energie pflanzen erschienen.




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