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energie pflanzen
DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Mittwoch, 20.06.2018

otti_preis_grVorteile und Nutzen betonen

Ein Termin mit Tradition ist das Bioenergie-Symposium in Kloster Banz Ende November. Die Branche gab sich vorsichtig optimistisch und scheint die Krise überwunden zu haben. Wichtige Themen bleiben Nachhaltigkeit und das damit verbundene Bild in der Öffentlichkeit.

Wie so vieles im Leben kann auch die (relativ) geringe Teilnehmerzahl einer Tagung in verschiedene Richtungen interpretiert werden: Das Bioenergie-Symposium des Veranstalters OTTI im bayerischen Kloster Banz gilt nicht erst seit der 19. Auflage im vergangenen November als etablierte Veranstaltung, verzeichnete aber zuletzt sinkende Teilnehmerzahlen mit einer leichten Erholung im vergangenen Jahr auf 170 Teilnehmer. Verständlicherweise wollten die Verantwortlichen das nicht auf die Qualität der Tagung zurückführen und auch nicht auf einen schlechten Zustand der Branche. Der gehe es nämlich durchaus gut, und es seien schon große Schritte für die Etablierung der Technik getan, so Bernhard Widmann vom Technologie- und Förderzentrum (TFZ) aus Straubing, fachlicher Gesamtleiter des Symposiums. Für den Erfolg der Branche sprächen auch die zahlreichen Konkurrenz-Veranstaltungen zu den verschiedenen Schwerpunkten der Bioenergie, zwischen denen das Fachpublikum wählen könne.

Nachhaltigkeit immer noch aktuell

Aus gutem Grunde ein Dauerbrenner ist das wichtige Thema Nachhaltigkeit und welche sozialen Auswirkungen die zunehmende Bioenergienutzung in Europa in den Ländern hat, die dafür nötige Rohstoffe bereitstellen. Diese Auswirkungen untersucht das EU-Projekt „Global Bio Pact“, das im Februar 2010 startete. Beim OTTI-Symposium stellte Dominik Rutz den Ansatz des Projektes vor: Weltweit wurden Fallstudien zu Produktion von Biodiesel und -ethanol sowie Biokraftstoffen der zweiten Generation durchgeführt. Berücksichtigt wurden dabei in jedem Land jeweils eine Fallstudie zur Produktion auf nationaler und eine auf regionaler Ebene. Die zwei zentralen Fragen waren, wie verhindert werden kann, daß Biokraftstoffe nicht nachhaltig produziert werden, und ob die Zertifizierung ein geeignetes Mittel ist, um Nachhaltigkeit zu garantieren.

otti_2010_becker_grDabei berücksichtigte das Projekt unter anderem folgende Aspekte: Landnutzungsrechte, nationales Einkommen, Arbeitsplätze und -standards, ländliche Entwicklung, Nahrungsmittelsicherheit, die Integration von Kleinbauern und Auswirkungen auf die Gesundheit. Bei dieser Vielzahl von Bereichen überrascht es nicht, daß das Projekt in einem ersten Zwischenfazit zu dem Schluß kommt, daß die Produktion von Biokraftstoffen sowohl positive als auch negative soziale Auswirkungen haben kann. Als Herausforderung in Entwicklungsländern sehen die Projektverantwortlichen die Balance zwischen Großindustrie und kleinstrukturierter Landwirtschaft, dabei würden Landnutzungskonflikte eine immer größere Rolle spielen. Die Nutzung von Abfällen zur Herstellung von Biokraftstoffen habe viele positive Auswirkungen, aber auch weniger Potential, Arbeitsplätze zu schaffen.
Im Prinzip sei die Zertifizierung ein geeignetes Instrument, so Rutz, wichtiger seien aber nationale Gesetze, die konsequent umgesetzt werden. Die Kosten für die Zertifizierung müßten zudem auch für Kleinbauern bezahlbar sein, um diese nicht von der Wertschöpfung auszuschließen.

Die Nachhaltigkeit verschiedener Optionen der Wärmeversorgung mit Biomasse untersuchten Forscher der Universität Stuttgart. Auf den Prüfstand kamen reine Biomasse-Heizungen, Solarthermie und Kombinationen dieser beiden Varianten, oberflächennahe Geothermie sowie fossile Referenzanlagen. Um die Heizsysteme vergleichen zu können, wurden zwei Bewertungsmethoden angewandt: das Erfassen der sozialen Kosten und die sogenannte multikriterielle Entscheidungsanalyse. Letztere umfaßt die drei Dimensionen Ökonomie, Ökologie und soziale Aspekte, Indikatoren in jeder Dimension erfassen dann Werte wie Feinstaubbelastung, Brennstoffpreise und den gesellschaftlichen Nutzen.
Das Verfahren der sozialen Kosten erfaßt die Kosten für Schäden unter anderem der menschlichen Gesundheit und an Bauwerken sowie private Kosten. Die beiden Verfahren kommen durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen: Beispielsweise liegt in der Top Ten der multikriteriellen Analyse die Kombination Pelletkessel und Solarthermie auf Platz eins, bei den sozialen Kosten nur auf Rang acht. Daniel Zech vom Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung der Universität Stuttgart erläuterte, wie das nun in der Praxis berücksichtigt werden könnte: Durch die Kombination beider Bewertungen könne man die Heizsysteme in drei Kategorien einordnen und so eine „Ampel-Wertung“ vornehmen (s. Grafik). Daraus wiederum ließen sich Handlungsempfehlungen für die Politik formulieren, so Zech.

Der Fluch des billigen Erdöls

Den traditionellen Festvortrag am Donnerstagabend hielt diesmal Udo Becker vom Lehrstuhl für Verkehrsökologie der Technischen Universität Dresden. Gleichermaßen fachlich fundiert wie unterhaltsam setzte er sich mit der Frage auseinander „Wie werden wir künftig mobil sein?“ Die in vielen Lebensbereichen verbreitete Gleichung „mehr ist besser“ gelte nur bis zu einem gewissen Grad, so Becker. Bezogen auf die Energieversorgung sei der Beginn des Erdölzeitalters vielen wie ein Lottogewinn vorgekommen, der billige Energie im Überfluß verhieß. Im Nachhinein sei das aber eher zur Last geworden, denn „was (fast) kostenlos ist, wird vergeudet“, gab Becker zu bedenken.
Daß Verkehr und die persönliche Mobilität durchaus weitreichendere (Kosten-)Auswirkungen haben, als es auf den ersten Blick ersichtlich ist, machte Becker mit folgendem Zusammenhang deutlich: Eigentlich eine Binsenweisheit, aber Verkehr hat auch gesundheitsschädliche Auswirkungen, so daß sich steigendes Verkehrsaufkommen irgendwann auch auf die Höhe der Krankenkassenbeiträge auswirkt. Um in Zukunft immer noch eine Mobilität zu gewährleisten, die alle berechtigten Bedürfnisse der Bevölkerung erfüllt, sind Änderungen nötig, ist Becker überzeugt. Mögliche Ansatzpunkte seien weniger (Individual-)Verkehr sowie andere Fahrzeuge und Treibstoffe. Auf diesen Wechsel müsse man vorbereitet sein, mahnte Becker, und dafür müsse der Ausbau der Bioenergie in allen Formen beschleunigt werden.

Vorteile für alle vermitteln

In seinem Gesamt-Fazit zum Symposium stellte der fachliche Leiter Bernhard Widmann fest, daß effiziente Wärmenetze und die Brennstoff-Qualität die bestimmenden Themen bei den Festbrennstoffen waren, die Biogas-Akteure beschäftigen derzeit die Zuckerrübe als vielversprechendes Substrat und immer noch das Potential für Biomethananlagen. Der Neubau solcher Anlagen sei mittlerweile ins Stocken geraten, so Widmann, aber die Umrüstung bestehender Biogasanlagen biete hier eine Alternative. Bei den Biokraftstoffen lag der Schwerpunkt der Vortragsthemen auf Ethanol der zweiten Generation, auch wenn die erste Generation von Biokraftstoffen in Deutschland und Europa noch einen wesentlichen Beitrag leisten müsse, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Gerade in Zeiten kritischer Stimmen gegenüber der Bioenergie müsse auf eine effiziente und nachhaltige Nutzung geachtet werden, so Widmann. Um den kritischen Stimmen zu begegnen, sei es nötig, die Bevölkerung zu informieren und zu vermitteln, welche Vorteile die Bioenergie für alle bedeute.

2011 mit neuem Konzept

Mit einer für manche überraschenden Mitteilung beendete Eckardt Günther, beim OTTI Leiter der Abteilung erneuerbare Energien, das 19. Symposium Bioenergie. Man wolle sich auf die veränderten Anforderungen in der Tagungsbranche einstellen und mit der 20. Auflage 2011 ein neues Konzept etablieren, zu dem auch der Abschied von Kloster Banz als Tagungsort gehört. Inhaltlich wird das Konzept von drei Parallelsitzungen zu festen, flüssigen und gasförmigen Bioenergieträgern aufgegeben, künftig liegt der thematische Schwerpunkt auf den Festbrennstoffen. Am Mittwoch vor der Tagung findet jeweils ein sogenanntes Praxisforum statt, dessen Themen je nach aktuellen Entwicklungen wechseln sollen; 2011 steht Biogas auf dem Programm. Neuer Veranstaltungsort am 24. und 25. November ist das Kongreß- und Kulturzentrum in Regensburg.

www.otti.de

Johanna Waid


otti_preis_grOTTI-Innovationspreis verliehen

(jw). Bernd Krautkremer vom Fraunhofer Institut IWES verkündete die Entscheidung der Jury, welches Produkt mit dem Innovationspreis 2010 ausgezeichnet wurde. Beworben hatten sich drei Firmen, deren Vorschläge alle gut geeignet waren: Die Firma Jenz stellte eine Maschine vor, die Biomasse sowohl für die Kompostierung als auch für die energetische Nutzung aufbereiten kann, indem die Rotordrehzahl für den jeweiligen Zweck angepaßt werden kann.
Da auch in der Anwendung von Bioenergie-Technik die professionelle Steuerung aller Abläufe eine wichtige Rolle spielt, um die Kosten im Griff zu halten, setzt die ABB Automation GmbH mit ihren Produkten an dieser Stelle an. Platz eins belegte dann aber der Feinstaubfilter AL Top der Schräder Abgastechnologie, ein Elektrofilter für Holz-Kleinfeuerungen (s. energie pflanzen 6/2010). Krautkremer lobte die Technik, die mit der Feinstaubproblematik an einem Punkt ansetze, an dem die Bioenergie in der Vergangenheit unter Beschuß geraten sei. Für eine erfolgreiche Zukunft des Produktes spreche die besondere Wartungsfreundlichkeit mit automatischer Reinigung, der geringe Energieverbrauch sowie der günstige Preis, so Krautkremer in seiner Laudatio.

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1 / 2011 energie pflanzen erschienen.




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