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energie pflanzen
DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Donnerstag, 21.06.2018

Geht es nach den „Empfehlungen“ der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften, dann sollten die politisch Verantwortlichen hierzulande „insbesondere das EU-2020-Konzept überdenken, das darauf abzielt, möglichst zehn Prozent des Treibstoffes für Transportzwecke aus Biomasse bereitzustellen. Vielmehr sollte sich Deutschland auf andere erneuerbare Energieressourcen konzentrieren wie Photovoltaik, Solarthermie und Windenergie, deren Flächeneffizienz, Treibhausgas-Emissionen und andere Umweltbeeinträchtigungen niedriger sind als die von Bioenergie“, so nachzulesen in einer Ende Juli veröffentlichten Studie zur Nutzung von Bioenergie. Diese haben 25 Wissenschaftler nach zwei Jahren intensiver Diskussion erstellt.

Bioenergie ist also flächeneffizienter als Solar- und Windenergie – das ist Energie-Fachleuten wirklich neu! Wer hat denn da Korrektur gelesen? Doch neben solch auffälligen Fehlern setzen die Leopoldianer in ihren Thesen eindeutig auf „Teller statt Tank“. So ist es kein Wunder, daß der Bioland-Ernährungs-Verband wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Studie „einen europaweiten Ausstieg aus der Produktion von Biokraftstoffen“ fordert. In dieser Zeit können die Bioländer die Untersuchung überhaupt nicht ernsthaft studiert haben.
Vorsichtiger, aber dennoch absolut ablehnend reagiert der Biogasrat e.V.: Nach dem ersten Einblick ist die Leopoldina-Studie für dessen Geschäftsführer Reinhard Schultz „ein Sammelsurium an interessanten Fakten, Vorurteilen, Halbwahrheiten und Fehlern, offensichtlich zusammengeschustert ohne roten Faden“. Doch eine fundierte Analyse werde sein Verband erst in ein paar Wochen vorlegen. Professor Ottmar Edenhofer, der renommierte Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) wurde zwar vom Leopoldina-Studienteam „zu einzelnen Punkten gehört“, und aus seinen Arbeiten wurde zitiert. Doch offenbar haben die Nationalforscher „nur Überschriften, nicht aber Inhalte gelesen“, heißt es aus Edenhofers Umfeld.
Unter dem Titel „Klimarisiken durch Energie aus Biomasse werden unterschätzt“ hatte das PIK selbst im März 2012 eine Analyse veröffentlicht. Aber darin wird kein Verzicht auf Bioenergie, sondern als „zentrale Herausforderung für kommende wissenschaftliche Sachstandsberichte eine viel engere fächerübergreifende Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen mit Bioenergie befaßten Forschungsrichtungen“ gefordert. Doch im Leopoldina- Team waren zwar Katalyseforscher, Botaniker, Geografen und Chemiker, aber keine Energie-Ingenieure vertreten. Auf die Frage, warum das 25-köpfige Team genau so zusammengesetzt war, gab es bis Redaktionsschluß keine Antwort aus Halle.
Das PIK sieht bis Ende des Jahrhunderts die Chance, daß mit Bioenergie „etwa ein Fünftel des geschätzten weltweiten Energiebedarfs gedeckt werden“ könnte. Der Bioökonomierat der Bundesrepublik Deutschland hatte vor kurzem errechnet, im Jahr 2050 könnten 23 Prozent der in Deutschland verbrauchten Energie aus Biomasse stammen. Dies deckt sich in etwa auch mit der Prognose des Weltklimarates IPCC. Die Leopoldina-Akademiker sind „diesbezüglich viel weniger optimistisch. Mit Ausnahme der Nutzung von biogenen Abfällen ist die Verwendung von Biomasse als Energiequelle in größerem Maßstab keine wirkliche Option für Länder wie Deutschland“.
Nur dieses eine gute Haar läßt der Biogasrat an der Akademie-Veröffentlichung: „Die Hinweise der Leopoldina, künftig verstärkt organische Reststoffe für die Biogasproduktion zu nutzen, teilen wir ausdrücklich.“

Heinz Wraneschitz


Hintergrund im Internet:

Stellungsnahme der Leopoldina zur Bioenergie

http://www.leopoldina.org/de/publikationen/empfehlungen-stellungnahmen/

Stellungsnahmen zur Leopoldina-Stellungsnahme
Deutsches Biomasseforschungszentrum - www.dbfz.de
Bundesverband der Deutschen Bioethanolwirtschaft - www.bdbe.de

Sonstige aktuelle Stellungnahmen zum Thema Biokraftstoffe
Umweltinstitut München e.V. - www.umweltinstitut.org
Verbio AG - www.verbio.de


Kommentar

Arbeit unvollständig! Setzen, Sechs!

Wenn unsere hochehrwürdige „Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina“ eine Stellungnahme herausgibt, dann sollte man erwarten können: Das hat Hand und Fuß. Doch in ihrer Studie „Bioenergie: Möglichkeiten und Grenzen“ haben die 25 verantwortlichen Wissenschaftler aus dem In- und Ausland voll danebengelangt. „Unter Bioenergie versteht man die Energie, die aus Verbrennung nichtfossiler, pflanzlicher Biomasse stammt oder aus Biokraftstoffen, die aus Biomasse hergestellt wurden“, steht zu lesen. Das heißt: Die hochrangigen Forscher ordnen noch nicht einmal Biogas der Bioenergie zu. Dabei, so behaupten die 21 Männer und ihre vier Quotenfrauen, hätte man nach zwei Jahren intensiver Arbeit eine „umfassende Analyse“ fabriziert. Für mich ist das schlicht und ergreifend: „Thema verfehlt, setzen, Sechs.“

Heinz Wraneschitz




Wer immer gut informiert sein will, muß die Zeitschrift energie aus pflanzen lesen.
Kompetente Fachinformationen rund um nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energien.

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