- Anzeige -
- Anzeige -
FORSTFACHVERLAG GMBH & CO. KG · MOORHOFWEG 11 · 27383 SCHEEßEL · info@forstfachverlag.de · www.forstfachverlag.de · ✆ +49 (0) 4263 / 9395-0
energie pflanzen
DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Samstag, 23.06.2018

Tarmstedter Podium diskutierte über Akzeptanz und Entwicklung erneuerbarer Energien

Die Tarmstedter Gespräche über erneuerbare Energien Mitte Juli haben Tradition. Diesmal diskutierten Vertreter aus Landwirtschaft, Kommune, Naturschutz und Energieversorgung.
Beschränkten sich die Tarmstedter Gespräche vor wenigen Jahren noch auf einen Nachmittag, stehen sie inzwischen an allen vier Tagen der Landwirtschafts-Ausstellung nahe Bremen auf dem Programm. Dazu stellen Anbieter von Solaranlagen, Holzfeuerungen und Biogas ihre Produkte aus. Neben diversen Informationsvorträgen gab es eine Podiumsdiskussion unter der Leitung des Agrarjournalisten Hinrich Neumann mit dem Titel: „Wie viele neue Energien wollen wir – wie viele verträgt die Landschaft?“


Glaubt man Kritikern, verschandelten erst Windräder die Landschaft, derzeit „vermaist“ sie. Kürzlich wurde die jüngste Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Rahmen des sogenannten Klima- und Energiepaketes im Eiltempo verabschiedet. Aber wie wirkt sich der Ausbau der Erneuerbaren auf die Akzeptanz von Anlagen sowie das Landschaftsbild aus? Darüber diskutierten Vertreter aus Landwirtschaft, Kommune, Naturschutz und Energieversorgung.

4_2011_tarmstedt_grUm Akzeptanz zu erreichen, müssen „die Menschen mitgenommen werden“, jeder Podiums-Teilnehmer betonte dies. Zwei Beispiele aus dem weiteren Umkreis Tarmstedts belegen dies: „In Sittensen-Freetz ist alles falsch gemacht worden, was man falsch machen konnte“, so Uwe Baumert vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Hier war ein eigentlich gutes Konzept für eine Biogasanlage den Bürgern erst über die Presse und im laufenden Genehmigungsverfahren bekannt geworden, so daß sich sehr schnell Protest formierte, weil die Bürger Angst hatten, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. In Selsingen-Malstedt dagegen luden die Initiatoren noch vor Beginn der Planung die Bürger ein, mit ihnen gemeinsam einen Standort, Zufahrtswege und mehr zuerarbeiten. Auch boten sie den Einwohnern eine Wärmeversorgung an. Malstedt wurde schließlich Bioenergiedorf. In vielen Landkreisen existieren inzwischen Arbeitskreise mit einem breiten Spektrum an Verbands-, Vereins- und Behördenvertretern, um Probleme frühzeitig zu lösen. Dennoch stehe teilweise „die Ampel auf rot“, so Nabu-Vertreter Baumert, es gebe eine zu starke Konzentration auf Biogas und Windenergie. Er plädierte ausdrücklich für einen Energiemix.

Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien beeinflussen auch das Landschaftsbild: bei Windenergieanlagen am meisten, stellte Helma Spöring, stellvertretende Landrätin des Landkreises Soltau-Fallingbostel, fest. Aber sie bemerkt auch einen Wandel: Zuletzt hätte es am meisten Diskussion bei der Festlegung von Gebieten für Windkraftanlagen auf Ebene der Raumordnung gegeben. Später sei die Genehmigung der einzelnen Anlagen dann aber recht problemlos gewesen. Auch die „Vermaisung“ der Landschaft muß nicht sein, zeigte der Biogaserzeuger Jens Geveke. Er erzeugt Biogas aus Rindergülle und Gras, weil in seiner Region die wenigen, für den Maisanbau geeigneten Flächen zur Produktion von Maissilage zur Rinderfütterung benötigt würden. „Wir müssen anbauen, was die größte Nachhaltigkeit hat, nicht was Excel vorgibt“, sagte er.

„Erneuerbare sind wichtig und richtig, sie müssen aber bezahlbar bleiben“, warnte Reiner Hildebrandt von der EWE AG. Die EEG-Umlage sieht er auf über vier Cent steigen. Harm Grobrügge vom Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) hielt jedoch dagegen, daß bereits eine Degression der Vergütungen im Gesetz eingebaut sei, nur bei Biomasse sieht er eine Ausnahme, weil diese immer wieder „hineingefahren“ werden müsse. Dafür kritisierte er die „ungleiche Verteilung“ der EEG-Umlage, da etliche energieintensive Industriebetriebe davon befreit seien. Doch hier werde derzeit „heruntergeregelt“, so EWE-Vertreter Hildebrandt. Zunehmend weniger Betriebe könnten sich befreien lassen, sie sollten so auch zur Energieeinsparung gezwungen werden.
Auf den volkswirtschaftlichen Nutzen Erneuerbarer stellte Geveke ab: Bei seiner Biogasanlage könnten zwar die Behälter auslaufen, das sei nach einer Woche wieder weg, und außerdem zahle er – gar nicht so geringe – Versicherungsprämien, bei einem Atomunfall wie in Fukushima bezahle aber niemand. Biogas-Strom sei zwar teurer, aber „volkswirtschaftlich ist Atomstrom auch nicht so billig“.

Verbrauchsverhalten ändern

Aber der Strom muß auch vom Erzeuger zum Verbraucher, von nicht mehr zentralen, sondern dezentralen Erzeugern aus. „Dafür gibt es kein Modell“, stellte BEE-Vertreter Grobrügge fest, „das muß noch entwickelt werden“. Um Erzeugung und Verbrauch in Einklang zu bringen, appellierte EWE-Vertreter Hildebrandt, „sich Gedanken über das Stromabnahmeverhalten zu machen“. Beispielsweise verhandele der Energieversorger mit Kühlhäusern, bei hoher Stromnachfrage ihre Kühlung sozusagen einen Gang zurückzuschalten, bei Überschuß einen höher. Das könnte aber auch für Haushaltsgeräte gelten. Gleichzeitig müssen Erneuerbare Netzdienstleistungen übernehmen, wie es jetzt beim Wind eingeführt wird. Dennoch werden auch neue Trassen zum Stromtransport nötig werden, selbst wenn vorhandene, zentrale Verteiler wie an abgeschalteten Atomkraftwerken weitergenutzt werden – nach letzterem fragte ein Zuhörer. Auf jeden Fall entstehen Kosten und neue Trassen, doch für Versorgungssicherheit „müssen wir auch Dinge akzeptieren, die weniger angenehm sind“, betonte der Naturschützer Baumert. Bis dahin jedoch scheint es noch ein weiter Weg zu sein, denn ein Zuhörer fragte, was es denn mit dem CO2 und dem Klimawandel eigentlich auf sich habe. Der Treibhauseffekt konnte ihm dann schnell und plastisch mit Verweis auf die schwül-heiße Luft unter dem Zeltdach vor Augen geführt werden.   

www.tarmstedter-ausstellung.de

Dorothee Meier

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 4 / 2011 energie pflanzen erschienen.




Wer immer gut informiert sein will, muß die Zeitschrift energie aus pflanzen lesen.
Kompetente Fachinformationen rund um nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energien.

nach oben | Startseite

    © 2018 Forstfachverlag GmbH & Co. KG KONTAKT | AGB | DATENSCHUTZ | IMPRESSUM