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DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Montag, 20.11.2017

Netzwerke für grünen Kunststoff

Anfang Dezember trafen sich über 360 Experten aus aller Welt in Düsseldorf, um sich über neue Biokunststoffmaterialien und -produkte zu informieren.

„Wir haben uns trotz der zeitlichen Nähe zu anderen wichtigen Kunststoffevents endgültig als führende europäische Biokunststoffveranstaltung etabliert“, betonte Andy Sweetman, Vorsitzender des veranstaltenden Verbandes European Bioplastics. Auch dieses Mal stammten über 70 Prozent der Teilnehmer aus Europa, fast 20 Prozent kamen aus Asien und ein Großteil der verbleibenden zehn Prozent kam aus Nord- und Südamerika. Damit etabliert sich die European Bioplastics Konferenz als Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch in der noch jungen Biokunststoffindustrie. Auch eine über die Jahre stetig wachsende Anzahl an Unternehmen bei der Firmenausstellung spricht für das Interesse an Biokunststoffen. Mehr als 20 Referenten präsentierten die Innovationen ihrer Unternehmen. Das Vortragsprogramm reichte von technischen Anwendungen über Werkstoffe bis zu Neuem über Verpackungen und Marktbeobachtungen. Auffällig dabei ist die wachsende Anzahl an Innovation von Unternehmen der Großchemie. So präsentierten Evonik Degussa GmbH, Henkel AG & Co. KGaA, BASF SE und Du Pont de Nemours GmbH ihre Ergebnisse:

Harald Häger ist Vizepräsident der Prozeß- und Produktentwicklung bei der Evonik Degussa. Er stellte die Aktivitäten des Unternehmens im Bereich Polyamide aus erneuerbaren Ressourcen vor. Polyamide werden aus dem nachwachsenden Rohstoff Rizinusöl gewonnen und lassen genauso wie ihre fossilen Analoga eine große Produktbreite zu. Dabei besitzen diese Polymere hohe Schmelzpunkte, was sie für Ingenieuranwendungen geeignet macht. Auch der Klebstoffspezialist Henkel überraschte mit einem von Peter Rushe vorgestellten Produkt auf der Basis von Polymilchsäure (PLA): einem Korrektur-Roller. Dieser besteht zu 89 Prozent aus Biokunststoff. 

Der französische Chemiekonzern Du Pont beschäftigt sich ebenfalls mit Biokunststoff und hat bereits eine breite Palette aufgelegt. So stellt das Unternehmen Polytrimethylenterephtalat (PTT) in einem biochemischen Prozeß her. Das Produkt ist ein Zusatz für PET-Kunststoffe und variiert so dessen Eigenschaften. 
Bislang konnte PLA nicht wie andere fossile Kunststoffe recycelt werden. Hier stellte Steve Dejonge das neue Konzept seines Unternehmens Galactic aus Belgien vor, den Herstellungsprozeß des prominenten Biokunststoffes PLA wieder umzukehren. Bei der Herstellung wird aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr und über die Umwandlung von Saccharose in Milchsäure zu Lactid letztendlich der Biokunststoff PLA. Der Kunststoff kann inzwischen zu mannigfaltigen Produkten verarbeitet werden. Dejonge demonstrierte nun, daß sein Unternehmen auch den umgekehrten Weg gehen kann. So zeigte er ein zweistufiges Verfahren zur Depolymerisation und Reinigung der recycelten Milchsäure. Mit dem Verfahren will das Unternehmen 2.000 Tonnen PLA pro Jahr recyceln.
Auch bei Procter and Gamble zählt Nachhaltigkeit zur Unternehmensstrategie. Das Unternehmen kooperiert mit dem WWF. Dabei will es auf PP und PE des brasilianischen Chemiekonzerns Braskem zurück-greifen. Letzterer präsentierte sich auf der jüngsten Konferenz mit der Aussage, 250.000 Tonnen dieser Kunststoffe aus Zuckerrohr herzustellen. 

Preis für Sandwichbauweise

Einen Höhepunkt der Konferenz bildete die Verleihung des Bioplastics Award 2010, der erstmals auf der European Bioplastics Conference verliehen wurde. Der Preis ging an Econ Core. Das Unternehmen entwickelt für Wabensandwichplatten und -bauteile die Kernbauteile. Die konsequente Anwendung der Sandwichbauweise mit kostengünstigen Kernen ermögliche nicht nur Gewichtseinsparungen, sondern auch eine deutliche Materialkostenersparnis, so die Begründung der Jury. Dies sei ein erheblicher Beitrag zur Nachhaltigkeit beim Bau.
Sehr  zufrieden äußerte sich abschließend Hasso von Pogrell, Geschäftsführer von European Bioplastics, zum Verlauf der Veranstaltung. „Es zeigt sich, daß das Bedürfnis, sich untereinander auszutauschen, Netzwerke zu bilden und sogar Kooperationen einzugehen, mit den Möglichkeiten wächst. Dazu bieten unser Verband und die Konferenz das ideale Forum“, so sein Fazit.

www.european-bioplastics.org

Thomas Isenburg

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1 / 2011 energie pflanzen erschienen.





Wer immer gut informiert sein will, muß die Zeitschrift energie aus pflanzen lesen.
Kompetente Fachinformationen rund um nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energien.

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