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DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Freitag, 24.11.2017

Forstliche Versuchsanstalten entwickelten Kronennutzungskarten auf der Grundlage eines Nährstoffmanagements. Die Farben geben jeweils unterschiedliche Nutzungsintensitäten an. / Grafik: Niedersächsische Landesforsten/NFPWürgt FSC-Zertifizierung die wirtschaftliche Hackschnitzelgewinnung ab?

Daß Nährstoffe bei der Holzernte im Wald bleiben, wollen alle. Aber welche Meßgrößen sind die richtigen: Derbholzgrenze oder Kronennutzungskarte? Noch wird diskutiert.

In Deutschland gewinnt die FSC-Zertifizierung an Bedeutung, ausgehend von politischen Vorgaben in vielen Bundesländern. Deshalb ließen oder lassen sich etliche Landesforsten zertifizieren. Derzeit sind etwa zehn Prozent der Waldfläche in Deutschland FSC-zertifiziert, Tendenz steigend.



Der FSC, Forest Stewardship Council, entwickelt als Nicht-Regierungsorganisation Standards für die Waldbewirtschaftung. Das Problem für die Energieholzbranche ist ein FSC-Kriterium zur Ernte von Kronenholz, aus dem derzeit der Großteil der Waldholzhackschnitzel gewonnen wird. Dieses sieht vor, daß Kronenholz nur bis maximal sieben Zentimeter Durchmesser genutzt werden kann, alle dünneren Bestandteile sollen im Wald verbleiben. Das heißt für die Aufarbeiter, daß sie erst die stofflichen Sortimente schneiden, für die Bäume bei zehn bis zwölf Zentimeter Durchmesser „gezopft“, also abgesägt, werden. Anschließend müßten sie von der Krone noch alle Teile mit weniger als sieben Zentimeter Durchmesser abtrennen. „Das ist vollmechanisiert gar nicht möglich, und erst recht nicht bei Laubholzkronen, beispielsweise von Altbuchen: Soll da der Waldarbeiter jeden Ast ausmessen und einzeln absägen? Wer soll das bezahlen, abgesehen von der Ergonomie und Sicherheitsaspekten“, schimpft Bernd Heinrich, Sprecher des Netzwerk Holzenergie Forst, einem Arbeitsausschuß des Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF). Die Folgen beschreibt Anton Laub von „B.E.N BiomasseEnergieNetzwerk e.G.“. Mitglieder der Genossenschaft machten Waldbegehungen, bei denen sie dokumentieren konnten, daß seit der FSC-Zertifizierung viel für Hackschnitzel geeignetes Restholz im Wald verbleibt. Der Knackpunkt sind die sieben Zentimeter: Wie kommt der FSC auf dieses Maß? „Das ist historisch“, gibt Elmar Seizinger, Leiter Waldbereich FSC-Deutschland, zu. Dieses Maß wurde vor weit über hundert Jahren als sogenannte Derbholzgrenze in der Forstwirtschaft eingeführt. „Willkürlich“, erklärt der Forstexperte Heinrich – wie auch die FSCForderung nach fünf Prozent Stilllegungsfläche willkürlich sei. Gleichzeitig begründet der FSC auf seiner Internetseite dieses Maß mit mangelnden Erkenntnissen, „in welchem Umfang sogenanntes Waldrestholz unbedenklich genutzt werden kann. Weil es entsprechende Planungsgrundlagen nicht gibt, verbietet der FSC derzeit die Nutzung von Waldrestholz und damit auch die Vollbaumnutzung“.

Nutzungskarten als flexible Lösung

Netzwerk-Sprecher Heinrich wirft dem FSC jedoch vor, inzwischen vorliegende Erfassungen und Forschungen zu ignorieren. Die Mehrheit der Wissenschaftler und Experten sei sich inzwischen einig: Für den Sieben-Zentimeter-Wert gibt es keine Grundlage. Nicht einmal für feste Maße an sich, denn jeder Wald hat seine eigene Kombination aus Bodenart, Nährstoffgehalt, Wasserhaushalt und Bestockung. Flexible Lösungen seien gefragt. Deshalb entwickelten führende Forstliche Versuchsanstalten ein Nährstoffmanagementsystem, aus dem „Kronennutzungskarten“ entstanden. Sie basieren auf genau den von der Wissenschaft, teils sogar dem FSC geforderten Kriterien. Auf den Karten ist für jede Fläche des Staatswaldes parzellenscharf eine Nutzungsintensität angegeben: Beispielsweise kann Kronenholz bei vier, zwei oder gar keiner der meist zehn Durchforstungen eines Umtriebs entnommen werden. Und „von regelmäßiger Vollbaumnutzung kann sowieso keine Rede sein“, rückt Heinrich den Eindruck zurecht, den der FSC-Standard vermitteln könnte, „bei jeder Lagerung, jeder Verladung, jedem Hacken fallen Nadeln, Laub und Äste ab, die automatisch im Wald verbleiben; bei im Sommer geerntetem Nadel und Laubholz erst recht, da es sehr schnell abtrocknet“. [...]

Dorothee Meier

Der komplette Artikel ist in der Ausgabe 4 / 2015 energie aus pflanzen erschienen.




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