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DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Freitag, 24.11.2017

Das Heizwerk speist seine Wärme in das vorhandene Wärmenetz für die benachbarten Wohnblöcke ein.Einzigartiges Heizwerk in Malchin nutzt Naßflächen-Mahd als Brennstoff

Die Feuerungstechnik wurde für Stroh entwickelt, für Heu von Niedermoorwiesen mußte insbesondere die Aufarbeitung modifiziert werden. Doch die Nutzung dieser Biomasse verringert nicht nur direkt, sondern auch indirekt den Ausstoß von Klimagasen.


Auf der einen Straßenseite am Ortsausgang von Malchin in Mecklenburg ragt eine modernisierte Plattenbausiedlung aus DDRTagen in den Himmel, auf der anderen ein Schornstein vor einer einst hellgelb gestrichenen, ebenfalls älteren Halle mit einem neuen Anbau, der mit grünem Trapezblech verkleidet ist. Davor steht ein BMW mit Schweriner Kennzeichen. Der Fahrer wartet auf seinen Chef, den Landwirtschaftsminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern Till Backhaus. Er eröffnet hier ein Heizwerk der besonderen Art, das sich ganz unscheinbar in der Halle verbirgt. Das Besondere ist der Brennstoff: Zwar wächst hier, im Gebiet der Mecklenburgischen Seenplatte, auch Wald, vor allem aber prägt Wasser die Landschaft: Seeufer mit breiten Schilfgürteln und Niedermoorflächen. Die Landesregierung investierte einiges in die Renaturierung solcher Flächen für den Tourismus, den Naturschutz und den Klimaschutz gleichermaßen. Letzteres durch den Schutz des eingelagerten Kohlenstoffs im Torf, der sich in Jahrtausenden anreicherte. Doch die Kehrseite der damit teils angehobenen Wasserstände war das Verschwinden von Futtergräsern auf den Niedermoorwiesen. „Die Kühe verhungern bei vollem Magen“, formuliert es Hans Voigt, der knapp 300 Hektar solcher Flächen am Kummerower und Malchiner See sowie an der Peene mit Mutterkuhherden bewirtschaftet – von insgesamt 400 Hektar Gesamtfläche des Betriebes. Also suchte er nach Alternativen.
Auf eine kam er mit seinem Schwiegersohn Ludwig Bork, der nach einem Unfall zum Fachagrarwirt für erneuerbare Energien umschulte: Da die „neuen“ Pflanzenarten vor allem holzig sind, mußte sich dieses Material doch als Brennstoff nutzen lassen, so die Überlegung. „Schließlich kann man nur mit dem arbeiten, was man hat“, sagt Bork. Aber wieviel Energiewert hat dieser Aufwuchs? Gelegen kamen da Forschungen der Uni Greifswald, die ohnehin auf Flächen des Landwirtes Voigt stattfanden. Das Thema der Forschungsgruppe lautet „Paludikultur“. Zusammengefaßt erklärte das Hans Joosten, Professor am Institut für Botanik und Landschaftsökologie an der Universität Greifswald so: Die meisten landwirtschaftlichen Kulturarten entstanden in der Halbwüste. Um sie hierzulande anzubauen, müssen die Flächen trockengelegt werden. „Bei uns in Holland machen wir das seit Jahrhunderten, doch dabei wurde der Boden abgebaut, so daß wir bei fünf Meter über Null anfingen und nun bei fünf Meter unter Null sind“, beschreibt Joosten die Folgen anschaulich. Also müssen für diese nassen Böden andere Kulturpflanzen und andere Nutzungsarten gefunden werden – Paludikultur ist ein Ansatz hierfür.

Im Rahmen dieser Forschungen wurden auch Brennwerte von Niedermooraufwuchs bestimmt, die eine Grundlage der Wirtschaftlichkeitsberechnung für das jetzt in Betrieb gegangene Heizwerk wurden. Eine andere Komponente war der Preis für die abgegebene Wärme, über den mit der „energicos Malchin“ verhandelt werden mußte, die das Wärmenetz der Stadt, insbesondere auch das für die gegenüberliegenden Wohnblöcke betreibt. Industrielle Abnehmer waren nicht zu finden oder hatten keinen Bedarf. Doch auch seitens der Kommunalpolitik bestand Interesse an dem Zustandekommen des Projektes. Zudem konnten Fördergelder in Höhe von 180.000 Euro aus dem Aktionsplan Klimaschutz des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern für das insgesamt 640.000 Euro teure Projekt akquiriert werden. Schließlich mußte auch noch eine passende Kesseltechnik gefunden werden. Am ehesten vergleichbar war das heuähnliche Material aus vor allem Binsen und Seggen mit dem Brennstoff Stroh, für das bereits Serienmodelle auf dem Markt sind. Ein Hersteller ist die dänische Marke Linka, die in Deutschland von der Firma Hans-Jürgen Helbig GmbH aus Nörten-Hardenberg vertrieben wird. Bork erfuhr von dem Händler durch einen Bioenergieberater in seiner Region, schaute sich aber auch auf den einschlägigen Messen um. Brennversuche durch Helbig ergaben weitere Daten für die Wirtschaftlichkeitsberechnung. Aber es stellte sich auch schnell heraus, daß die Schneid- und Aufbereitungstechnik für das Malchiner Material modifiziert werden müßte. [...]

Dorothee Meier

Der komplette Artikel ist in der Ausgabe 4 / 2014 energie aus pflanzen erschienen.




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