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energie pflanzen
DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Mittwoch, 22.11.2017

Auf einer Dorfversammlung wurden den Bürgern Bioenergiedörfer in Deutschland vorgestellt.Göttinger Expertin gibt Erfahrungen aus Deutschland weiter

Die habilitierte Agrarwissenschaftlerin Marianne Karpenstein-Machan begleitete schon das Bioenergiedorf Jühnde. Nun berichtet sie über eine Anfrage aus Japan.


Ich habe ja schon viele Dorfversammlungen zum Thema „Bioenergiedorf“ in Deutschland vorbereitet und mit Kollegen durchgeführt. Eine aber war etwas Besonderes, um nicht zu sagen exotisch, denn sie fand in Japan in einem kleinen Dorf mit dem Namen Otoineppu im Norden der nördlichsten Insel des Inselstaates, auf Hokkaido, statt. Der kleine Ort mit 800 Einwohnern will Bioenergiedorf werden. Besser gesagt, möchte Bürgermeister Masaru Sakon das. Wie die Bürger dazu stehen, soll die Dorfversammlung zeigen. Wenige Monate zuvor im August 2014 hatte der Bürgermeister mit einer kleinen Delegation deutsche Bioenergiedörfer besucht. Mit diesen Kenntnissen sowie der Beratung aus Deutschland will er nun auch die Menschen in seiner japanischen Heimat von der Idee des Bioenergiedorfes überzeugen. Vor der Dorfversammlung sitzen meine Dolmetscherin Eri Otsu und ich auf einem mit weißem Stoff eingehüllten Sofa dem Bürgermeister gegenüber. Wir trinken grünen Tee und plaudern. Der Bürgermeister hat gute Laune und spaßt: „Alle Leute denken, daß ich viel zu tun habe. Aber eigentlich habe ich viel Zeit und trinke oft Tee in meinem Büro.“ Wir lachen.

Beim Rundgang durch das Rathaus sehen wir viele handwerkliche Kostbarkeiten aus Holz, Stoff, Ton sowie Malerei, die in der im Ort ansässigenKunsthochschule entstanden und nun die Wände schmücken. Der Bürgermeister ist sehr stolz darauf, daß die weithin bekannte Kunsthochschule ihren Standort in Otoineppu hat. Den Versammlungsraum im ersten Stockwerk suchen wir ebenfalls auf. Der Bürgermeister läßt es sich nicht nehmen, die Technik selbst zu inspizieren – Gemeindemitarbeiter bereiteten bereits alles für die Dorfversammlung am frühen Nachmittag vor: Der Beamer und die Mikrophone funktionieren, und auf der großen Leinwand ist die Startfolie meines Vortrages in japanischen Schriftzeichen zu sehen. Nach sieben Aufenthalten in Japan seit dem Jahr 2003 – alle in Sachen Bioenergiedörfer – erkenne ich mittlerweile meinen Namen in japanischen Schriftzeichen. Die Zuhörer werden die japanische Fassung sehen, die deutsche läuft parallel auf meinem eigenen Computer. Mein auf deutsch gehaltener Vortrag wird von der Dolmetscherin Eri Otsu übersetzt werden.

Wieder im Büro des Bürgermeisters spekulieren wir bei einer weiteren Tasse grünen Tee, wie viele Einwohner der Einladung ins Gemeindeamt wohl folgen werden. Erfreut stellen wir wenig später fest, daß der Versammlungsraum mit etwa 60 Personen schon gut gefüllt ist. Auch der Gouverneur der Präfektur Hokkaido ist angereist, Journalisten der Hokkaido News und der örtlichen Presse sind anwesend. Die Dorfversammlung kann beginnen.

Atomausstieg und Wiedereinstieg

Nach der „Dreifach-Katastrophe“ in Japan – Erdbeben, Tsunami, radioaktiver Fallout im Jahr 2011 – sagten Experten eine Energiewende in Japan voraus. Der Druck der Bevölkerung zum Ausstieg aus der Nuklearenergie war und ist groß – nach einer Umfrage der Tageszeitung Asahi Shimbun wollen ihn 80 Prozent der Japaner. Alle 57 Kernkraftwerke wurden nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima-Daiichi zunächst abgeschaltet.

Aufgrund hoher Ausgaben für die nötigen fossilen Energieimporte – Öl und Gas vorwiegend aus dem Iran – kommt jedoch die Handelsbilanz des Inselstaates nicht aus den roten Zahlen. Deshalb beschloß die japanische Regierung im April 2014 den Wiedereinstieg in die Kernenergie. Damit wurde drei Jahre nach der Fukushima-Katastrophe der Ausstiegsplan der Vorgängerregierung rückgängig gemacht. Atomkraft soll eine wichtige Energiequelle für die Grundversorgung des Landes bleiben. Dem steht jedoch entgegen, daß nach einer Analyse der Nachrichtenagentur Reuters zwei Drittel der japanischen Reaktoren wegen der Kosten für verschärfte Sicherheitsauflagen und anderer Faktoren nicht mehr ans Netz gehen können. [...]

Marianne Karpenstein-Machan

Der komplette Artikel ist in der Ausgabe 1 / 2015 energie aus pflanzen erschienen.




Wer immer gut informiert sein will, muß die Zeitschrift energie aus pflanzen lesen.
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