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DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Montag, 20.11.2017

Wärmeverteilbalken für die Biogasanlage, die Druckwasserwäsche, die Stripp-Anlage und den benachbarten Hähnchenmaststall.Flexibles Konzept von Agri-Capital in Röblingen

Ein Hähnchenmaststall als Substratlieferant und Wärmeabnehmer schien die ideale Kombination. Doch da die Wärmeabnahme schwankt, kam eine Biomethananlage dazu. Außerdem muß noch der Stickstoff aus dem Gärrest heraus, so daß zusätzlich eine Pilotanlage zur N-Strippung installiert wurde.

Die „Industriestraße“ ist auf keiner normalen Karte zu finden, bestätigt der Betriebsleiter der Biogasanlage Röblingen Frowin Semmling, denn sie quert eine 45 Meter hoch aufgeschüttete Fläche aus Abraum des benachbarten Braunkohletagebau Amsdorf bei Röblingen am See unweit des Städtepaars Halle-Leipzig.



In Abständen von einigen hundert Metern finden sich Werkshallen und Bürogebäude. Die Fläche wird zum Standort für Gewerbe und erneuerbare Energien entwickelt. Auf die Idee, eine Biogasanlage neben dem unabhängig davon gebauten Hähnchenmaststall zu bauen, kam eine Tochterfirma der Remonta GmbH, die den Tagebau betreibt. Doch so einfach funktionierte das Konzept nicht, da der Stall die Wärme nur sehr unregelmäßig benötigt, der hohe Stickstoffgehalt im Hühnertrockenkot die Fermentation hemmt und sich zu stark im Gärrest anreichert. Erst die Agri-Capital GmbH konnte hier ein tragfähiges Konzept entwickeln, wofür das Unternehmen die Anlage auch komplett übernahm.

Biogasanlage RöblingenDaß die Biogasanlage nicht auf gewachsenem Boden steht, machte sich schnell bemerkbar: Der Untergrund hat eine geringe Tragfähigkeit und ist sehr feuchtigkeitsempfindlich. Teilweise mußten Spundwände eingezogen werden, das große Gebäude mit der Lagerhalle für den Hühnertrockenkot, die Halle mit den vier Kratzbodenfütterungen und das kombinierte Bhkw-, Technik- und BürogebaÅNude jeweils auf getrennten Fundamenten errichtet werden, obwohl der Komplex wie ein einziges großes Gebäude wirkt. Bislang funktionierte die Konstruktion, denn es traten noch keine Setzungserscheinungen auf, auch nicht bei den inzwischen seit über einem Jahr voll befüllten Fermentern – die Inbetriebnahme war im Jahr 2011. Um sie herum verteilen sich neben den fünf mit Folienhauben abgedeckten Rundbehältern noch diverse Technikcontainer, die hoch aufragenden Kolonnen der Druckwasserwäsche, Strippung und biologischen Entschwefelung sowie Förderbänder in Längs- und Querrichtung, die ein fast schon geometrisches Muster ergeben.

Ein bißchen Chaos herrscht aber auch: Die Abdeckung eines Förderbandes liegt auf dem Betondach eines der Fermenter. Semmling hebt einen kompletten Weidepfahl in Winkelform auf. „Der hatte sich hier verklemmt“, erzählt der Betriebsleiter. Und kommt schnell ins Erzählen über die Kinderkrankheiten, mit denen wohl jede neue Anlage zu kämpfen hat: Bei dem Lehmann-Extruder setzte sich wiederholt Substrat am Füllstandssensor fest, so daß er mehrfach umgebaut werden mußte, bis er funktionierte. Bei der Druckerhöhungsanlage zur Spülung der Über-/Unterdrucksicherung mußte erst einmal herausgefunden werden, daß ein defekter Füllstandssensor die Ursache für wiederholte Fehlermeldungen war. Mehr als einmal entstanden in den Rohrleitungen zwischen den Behältern aufgrund anfangs zu hoher Trockensubstanzgehalte in den Fermentern Ablagerungen, die ein vollständiges Schließen der pneumatischen Schieber verhinderten, was wiederum nicht nur zahlreiche Alarmmeldungen auslöste, sondern auch gleich alle Pumpen lahmlegte.

Variable Substratverteilung

Auf dem Hof fährt ein Tanklastzug der Agrargenossenschaft Barnstädt vor, die mehrere tausend Hektar Land bewirtschaftet, Viehzucht betreibt und derzeit der Hauptlieferant für die Substrate der Biogasanlage ist. Der Fahrer pumpt – kaum zu überriechen – Schweinegülle in die Vorgrube. Rindermist und Hühnertrockenkot, der von verschiedenen anderen Mästern stammt, werden in der Halle gelagert, obwohl niemand in der Nähe wohnt, der sich vom Geruch belästigt fühlen könnte. Die Maissilage lagert wie üblich auf einem Fahrsilo. Dieser ist jetzt im Sommer, nur Wochen vor der nächsten Ernte, fast leer. Ein Teil der Fläche ist zudem mit siliertem Maisstroh belegt, dessen Nutzung aber noch erprobt werden muß. „Vom Mais müssen wir langfristig sowieso weg“, sagt André Illichmann, Projektleiter bei Agri-Capital. Derzeit macht Maissilage nur etwa ein Viertel der Gesamtfütterungsmenge aus. Wichtig ist dem Unternehmen auch, in regionalen Kreisläufen zu wirtschaften und wenig Anbaubiomasse zu nutzen. [...]

Dorothee Meier

Der komplette Artikel ist in der Ausgabe 4 / 2013 energie aus pflanzen erschienen.

www.agri-capital.de




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