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DAS FACHMAGAZIN FÜR BIOENERGIE UND -ÖKONOMIE Freitag, 24.11.2017

Hackschnitzelproduktion mit dem betriebseigenen Jenz-Hacker.IFBB-Verfahren in Baden-Baden erstmals im Praxis-Maßstab umgesetzt

„Integrierte Festbrennstoff- und Biogasproduktion aus Biomasse“ klingt nicht nur kompliziert, sie ist es auch. Dennoch ist sie sehr effektiv und flexibel. Allerdings gehören auch viel Qualifikation und Engagement dazu.


Am Anfang standen die empfindsamen Nasen der Baden-Badener – Mitte der 1990er Jahre war das. Damalswurde die Biotonne in der Kur- und Bäderstadt eingeführt, die sich malerisch in das Tal der Oos am Rand des Schwarzwaldes schmiegt. Wo die parkähnlichen Grundstücke der Villen enden und der Wald beginnt, ist manchmal kaum zu erkennen. Aber auch zahlreiche öffentliche Grünanlagen durchziehen die Stadt. Mit der Kehrseite, dem Abfall und Grünschnitt, muß sich Bernhard Schäfer beschäftigen. Er ist technischer Geschäftsführer des Eigenbetriebs Umwelttechnik der Stadt.
Weil er das Geruchsproblem für die Baden-Badener lösen mußte, schaffte Schäfer schon in den 1990er Jahren den „Pulper“ an. Er trennt einerseits Störstoffe ab, andererseits lösen sich durch das Mischen mit Wasser viele geruchsintensive Stoffe, die anschließend in den Faultürmen der Kläranlage vergären. Vor gut zehn Jahren zeichnete sich dann ab, daß die Faultürme saniert werden müssen, im Jahr 2008 lief auch der Vertrag mit dem Betreiber der Kompostierung aus. Hinzu kam, daß Schäfer „gerade zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Leute traf“ – insbesondere Konrad Scheffer, Professor am Institut für Nutzpflanzenkunde der Uni Kassel. Dieser forschte über Nutzungsmöglichkeiten von faserhaltigem Landschaftspflegegut, denn bereits seit den 2000er Jahren wurde vermehrt nach Möglichkeiten gesucht, die Mahd von Naturschutzflächen zu nutzen, statt sie nur teuer zu entsorgen. In der Schweiz entstanden damals erste Ansätze, aus Biomasse Fasern für Werkstoffe zu gewinnen und die restlichen Biomasseanteile zu Biogas zu vergären.
Der Baden-Badener Chefentsorger erkannte hier eine Lösung für sein Problem, sowohl dem sinkenden Kompostabsatz entgegenzuwirken, als auch den Vorgaben des Gemeinderates gerecht zu werden: „hohe energetische Nutzung, Schließung lokaler Kreisläufe, hohe lokale Wertschöpfung und Klimaschutz“. Schäfer zählte zusammen: Bioabfall plus Grüngut plus Landschaftspflegematerial, ein Pulper zum Trennen vergärbarer von verbrennbarer Biomasse, eine Biogasanlage und als Verbraucher Biomasseheizungen in teils kommunaler Hand. Da mußten eigentlich nur die Fäden richtig gezogen werden.

Als Pilotprojekt

Doch wenn das so leicht wäre, würde es längst x-fach umgesetzt. Aber erstens sind nur selten Abwasser- und Abfallbehandlung in einer Hand wie in der kreisfreien Stadt Baden-Baden und zweites sind die Stoffströme doch recht kompliziert. So zog die Entwicklung des in Baden-Baden angedachten Projektes etwas größere Kreise und wurde das erste Praxisprojekt für „Integrierte Festbrennstoff- und Biogasproduktion aus Biomasse (IFBB)“ im Rahmen des Verbundforschungsprojektes „COMBINE“, das zwischen den Jahren 2013 und 2015 mit EU-Mitteln gefördert wurde. „Neben unserer eigenen Biomasse haben wir in dieser Zeit alle möglichen Substrate aus verschiedenen Ländern hier getestet“, erinnert sich Schäfer. Gleichzeitig erfaßten Forscher der Uni Kassel die Gasraten und prüften die Qualität der Brennstoffe.
Inzwischen ist es in Baden-Baden Routine, Holz, kommunales, gewerbliches und privates Grüngut, Landschaftspflegematerial und Bioabfall zu Holzhackschnitzeln, weiteren Brennstoffen, Strom, Wärme und Kompost zu machen. Dafür werden teils vorhandene Anlagen genutzt, andere wurden neu errichtet. Zu letzteren zählen Biogasanlage und Trocknung, zu den vorhandenen der Pulper. [...]

Dorothee Meier

Der komplette Artikel ist in der Ausgabe 2 / 2016 energie AUS PFLANZEN erschienen.




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